Gräfenhainichen (dpa/tw) l Nach den Schüssen auf die geplante Flüchtlingsunterkunft in Gräfenhainichen (Kreis Wittenberg) sucht die Polizei weiter nach dem oder den Tätern. Es seien 13 Patronenhülsen gefunden worden, sagte ein Sprecher der Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Ost am Sonntag. Diese würden nun neben weiteren Spuren kriminaltechnisch untersucht. Die Untersuchungen vor Ort seien abgeschlossen. Die Polizei hat eine Ermittlungsgruppe gebildet, auch der Staatsschutz ist involviert.

Bereits am vergangenen Wochenende waren Steine gegen das Gebäude geworfen worden. Glasscheiben und eine Werbetafel gingen zu Bruch. Auch diese Tat hatten Wachleute gemeldet. Nach ersten Erkenntnissen sollen nach den Steinwürfen zwei bislang unbekannte Täter mit einem dunklen Kleinwagen in Richtung der Innenstadt von Gräfenhainichen geflüchtet sein. Schon im Dezember vergangenen Jahres hatten Unbekannte das ehemalige Bürogebäude nachts unter Wasser gesetzt, so dass es unbewohnbar wurde. Der Sachschaden betrug 80 000 Euro. Nach dem Wasserschaden gab es dann mehrfach Attacken mit Steinen.

Nach dem Angriff vor einer Woche hatte ein Sprecher des Landratsamtes gesagt, es ändere sich nichts an den Plänen, in dem Gebäude Flüchtlinge unterzubringen. Bis zu 80 Menschen sollen dort einziehen. Allerdings stehe der einstige Bürokomplex wegen der Schäden mittelfristig nicht zur Verfügung.

Die Schüsse seien offenbar aus einer "erlaubnispflichtigen Waffe" abgegeben worden, sagte der Polizeisprecher am Samstag. Über das Kaliber der verwendeten Munition machte der Sprecher keine Angaben. Die Tat zeige "die zunehmende Hemmungslosigkeit von Ausländerfeinden, denen Staat und Gesellschaft gemeinsam entgegentreten müssen", wie Polizei und Staatsanwaltschaft mitteilten.

Der Staatsschutz hat die Ermittlungen gegen Unbekannt aufgenommen. Spezialisten des Landeskriminalamtes unterstützten die Spurensuche am Tatort.

Entsetzt reagierte der innenpolitische Sprecher der Grünen im Landtag von Sachsen-Anhalt, Sebastian Striegel. "Der erneute und inzwischen siebte Anschlag auf die geplante Unterkunft für Geflüchtete in Gräfenhainichen zeigt eine weitere Eskalation der Gewalt", hieß es in einer am Samstag verbreiteten Stellungnahme.

Striegel appellierte an den Landkreis, seine Haltung zur Unterbringung von Geflüchteten zu überdenken. "Ein Gebäude, das permanent attackiert werden kann, ist für die sichere Unterbringung von Geflüchteten nicht geeignet." Er forderte, Möglichkeiten für eine dezentrale Unterbringung auszuloten.