Sachsen-Anhalts einziger Verkehrsflughafen

Der Flughafen Cochstedt wurde 1957 gebaut und von den sowjetischen Streitkräften genutzt.

Nach der Wiedervereinigung erhielt der Flughafen im Mai 1994 eine Betriebsgenehmigung als einziger Verkehrsflughafen Sachsen-Anhalts. Damit verbunden war die Betriebsfreigabe für einen 24-Stunden-Betrieb.

Bis 2010 flossen rund 56 Millionen Euro öffentliche Mittel, 36 Millionen Euro kamen vom Land. Der Durchbruch gelang nie. 2010 zog das Land die Notbremse und verkaufte den Flughafen an die dänische Betreibergesellschaft Airport Development.

Seine Glanzzeit hatte der Flughafen von 2011 bis Ende 2013, als die Billigfluglinie Ryanair dort Maschinen starten ließ. Im Januar 2016 stellte die Betreibergesellschaft einen Insolvenzantrag.

Zum 1. September entzog das Landesverwaltungsamt dem Airport vorerst die Betriebsfreigabe. Bis Ende Februar hatte Coch-stedt Zeit, ein neues Konzept vorzulegen. Diese Frist wird nun bis Ende August verlängert. (ba)

Cochstedt/Magdeburg l Der insolvente Airport Cochstedt darf weiter auf eine Zukunft als Verkehrsflughafen hoffen. Das Landesverwaltungsamt als zuständige Behörde für Luftfahrt in Sachsen-Anhalt wird eine wichtige Frist verlängern. Das sagte ein Sprecher des Verkehrsministeriums der Volksstimme. Demnach werde die Behörde dem Airport weitere sechs Monate Zeit einräumen, um einen neuen Geldgeber zu finden. Die ursprünglich Frist wäre Ende dieses Monats ausgelaufen.

Das Landes-Verwaltungsamt hatte dem klammen Airport im Oktober des vergangenen Jahres die Betriebserlaubnis entzogen, weil der Betreiber seine wirtschaftliche Leistungsfähigkeit nicht ausreichend nachweisen konnte. Zuvor hatte der Flughafen Anfang Januar 2016 Insolvenz angemeldet. Cochstedt schrieb wegen ausbleibender Passagiere und niedrigem Frachtaufkommen seit Jahren rote Zahlen.

Besitzer will Cochstedt loswerden

Die neue Gnadenfrist für Cochstedt läuft bis Ende August. „Diese Entscheidung ist zugunsten des Luftverkehrs- standortes und aller Beteiligten gefallen. Sie verursacht für das Land keinerlei Mehrkosten, sondern verschafft dem Insolvenzverwalter eine Atempause bei der Suche nach tragfähigen Konzepten mit seriösen Partnern“, teilte das Verkehrsministerium der Volksstimme mit.

Der bisherige Besitzer des Flughafens, die dänische Airport Development, hat nach Volksstimme-Informationen kein Interesse mehr an Cochstedt. Insolvenzverwalter André Löffler sucht deswegen nach einem Käufer, der dem Airport neues Leben einhaucht. „Allerdings zeichnet sich ab, dass die vom Insolvenzverwalter angeschobenen Gespräche noch etwas Zeit in Anspruch nehmen werden, um ein belastbares Konzept der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit vorweisen zu können“, heißt es aus dem Verkehrsministerium. Aus Verhandlungskreisen sind indes klangvolle Namen zu hören. Wie die Volksstimme erfuhr sollen sowohl der amerikanische Logistik-Riese Amazon als auch der chinesische Handelskonzern Alibaba Interesse zeigen.

Amazon im Anflug?

Cochstedt kommt dabei zugute, dass der Flughafen noch immer über eine 24-Stunden-Betriebsgenehmigung verfügt. Amazon und Alibaba könnten den Airport im Salzlandkreis als Verteilzentrum für ihre Fracht benutzen. Vor allem das US-Unternehmen buhlt in letzter Zeit aggressiv um Kunden, bietet für viele Produkte eine Lieferung innerhalb eines Tages an. Würden die Logistiker von Cochstedt aus nicht nur Waren verteilen sondern auch neu verpacken, könnten schnell einige Hundert neue Arbeitsplätze entstehen, sagte ein Logistik-Kenner der Volksstimme. Vor dem Entzug der Betriebserlaubnis waren am Flughafen Cochstedt 55 Mitarbeiter tätig.

Die Fristverlängerung durch das Landesverwaltungsamt verschafft auch der angrenzenden Flugzeugschmiede XtremeAir Luft. Die Firma nutzt die Start- und Landebahn des Flughafens für ihre Testflüge. Weil das Aus drohte, hatte das Unternehmen zwischenzeitlich Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) um Hilfe gebeten.