Der Freiwilligendienst

Der Bundesfreiwilligendienst wurde 2011 eingerichtet, um den Wegfall des Zivildienstes zu kompensieren. Dauer: in der Regel ein Jahr. In Sachsen-Anhalt gab es zuletzt 2030 „Bufdis“. Im Sonderprogramm zur Flüchtlingshilfe waren es 330. „Bufdis“ erhalten Taschengeld. Flüchtlinge, die „Bufdis“ sind, finanzieren ihr Leben mit Arbeitslosengeld II (wer anerkannt ist) oder mit Geld nach dem Asylbewerbergesetz (im Asylverfahren).

Magdeburg l Melad Mahfoud spricht viel mit den Händen. Das kommt wohl auch von seinem derzeitigen Job: Im Magdeburger Einewelthaus, Sitz der Auslandsgesellschaft Sachsen-Anhalt, übersetzt er für Flüchtlinge aus dem Deutschen ins Arabische – zum Beispiel Schreiben vom Jobcenter oder von der Ausländerbehörde. Dabei erklärt er den Leuten auch die Asyl-Regeln. „Viele kennen ja ihre Rechte nicht“, sagt er.

Der 30-Jährige absolviert seit November seinen Dienst als Freiwilliger im Bereich Flüchtlingshilfe. Die Bundesregierung hatte Ende 2015 als Reaktion auf die Flüchtlingskrise deutschlandweit die „Bufdi“-Stellen mit einem Sonderprogramm für diesen Arbeitsbereich aufgestockt. In Sachsen-Anhalt haben laut Bundesfamilienministerium inzwischen rund 550 Freiwillige ihren Dienst begonnen, 330 davon sind aktuell noch „Bufdis“. Sie übersetzen zum Beispiel in Gemeinschaftsunterkünften, begleiten Flüchtlinge zu Ärzten oder organisieren Begegungsangebote in Nachbarschaftstreffs.

Jeder dritte Freiwillige in diesem Sonderprogramm ist selbst aus seiner Heimat geflohen – so wie Melad Mahfoud. Er kam vor anderthalb Jahren aus Syrien nach Deutschland, seit sieben Monaten ist er als Flüchtling anerkannt. Sachsen-Anhalts Integrationsbeauftragte Susi Möbbeck erklärt, welche Vorteile der hohe Anteil an Migranten hat: „Ihr Einsatz unterstützt nicht nur die ehrenamtliche Flüchtlingshilfe. Diese Menschen können durch den Dienst aktiv sein und am gesellschaftlichen Leben teilhaben.“ Zudem würden sie ihre Sprachkenntnisse verbessern und könnten beginnen, sich beruflich umzuorientieren.

Mahfoud entwickelt sein Deutsch nicht nur im Einewelthaus weiter. Da er im Gegensatz zu einem normalen „Bufdi“ in Teilzeit arbeiten darf, kann er parallel einen Kurs auf hohem Level belegen.

Hilfe für Vereine und Kommunen

In Sachsen-Anhalt gibt es beim Flüchtlings-„Bufdi“-Programm eine weitere Besonderheit: Das Land hat zusätzlich ein Förderprogramm aufgelegt, Möbbeck zufolge als einziges bundesweit. 500 000 Euro flossen im vergangenen Jahr vor allem in eine Servicestelle. Hintergrund: Der Dienst ist nicht nur für Einrichtungen der großen Wohlfahrtsverbände wie den Paritätischen gedacht, sondern auch für Kommunen und Vereine, die zu keinem Verband gehören. Die wissen oft aber nicht, wie man solch spezielle Stelle gestaltet und für den „Bufdi“ Seminare organisiert.

So hat die Auslandsgesellschaft zusammen mit Partnern eine Servicestelle mit acht Mitarbeitern aufgebaut. Einige fahren herum und beraten Einrichtungen – zur Beantragung von Stellen, zu Aufgaben für „Bufdis“, zum pädagogischen Konzept. Andere organisieren Seminare, die auf Flüchtlinge abgestimmt sind – zu kulturellen Unterschieden, Asylrechtsfragen oder Jobperspektiven.

Melad Mahfoud hat die meisten Seminare noch vor sich. Die „Bufdi“-Stelle gefällt ihm aber auch so schon, sagt er: „Ich finde es interessant, wenn man anderen helfen kann.“ Außerdem macht ihm das Arbeiten mit Sprachen Spaß – so sehr, dass er überlegt, nach dem Freiwilligenjahr nicht mehr in seinen alten Beruf Zahntechniker zurückzugehen, sondern als Übersetzer zu arbeiten.