Nach Jahren des Wartens kann Martin Tomczyk am Sonntag den DTM-Olymp erklimmen: Gegenüber der adrivo Sportpresse reflektiert er seine sportliche Entwicklung.

Der teaminterne Titelkampf zwischen dir und Mattias Ekström spitzt sich zu. Wo siehst du auf deiner Seite Vorteile, wo auf Mattias\' Seite?
Martin Tomczyk: Generell muss man sagen, dass Mattias ein enorm guter Fahrer ist. Seine größte Stärke ist, dass er nur sehr wenige Fehler macht und sehr konstant ist - abgesehen davon, dass er in den letzten beiden Qualifyings Pech hatte. Am Nürburgring hat er das durch seinen dritten Platz ausgleichen können. Er hat noch immer einen Vorsprung von vier Punkten auf mich - das ist in der DTM viel.

Und wo liegen deine Stärken?
Martin Tomczyk: Momentan habe ich einen Lauf; das Team um mich herum ist sehr motiviert und mir fällt es leicht, gemeinsam mit meinem Renningenieur eine gute Abstimmung zu finden. Ich mache mir wenig Druck; ich fahre auch die Rennen im Titelendspurt so wie jedes andere. Das hat sich bisher ausgezahlt. Ich habe einfach Spaß am Fahren.

Hat der Titelkampf gegeneinander Einfluss auf eure Freundschaft?
Martin Tomczyk: Davon ist zurzeit nichts zu spüren. Ich war erst letzte Woche bei ihm in der Schweiz. Wir haben zwei tolle Tage miteinander verbracht und hatten unseren Spaß. Klar ist aber auch, dass man Egoist ist, wenn wir uns in Hockenheim auf der Strecke begegnen werden und die Leistung im Cockpit entscheidet. Dort werden wir unser eigenes Rennen fahren - im harten, aber auf jeden Fall fairen Rahmen. Es dürfte ein sehr abgeklärter Kampf werden, denn wir kennen uns auf der Strecke in- und auswendig. Wir wissen exakt, wie der andere in bestimmten Situationen agiert.

Wenn du deine Entwicklung in der DTM betrachtest: Was machst du anders als vor fünf Jahren, wo hast du dich weiterentwickelt?
Martin Tomczyk: Den nötigen Speed habe ich in der DTM eigentlich schon von Beginn an gehabt. Allerdings bin ich lange zu emotional, mit zu viel Herz gefahren. Das Herz fährt immer noch mit, aber Herz und Verstand halten sich jetzt besser die Waage, als es früher der Fall war. Früher habe ich immer versucht, 100 Prozent zu geben. Mittlerweile habe ich gelernt, dass manchmal auch 99 Prozent reichen, um ganz vorne mitzufahren. Ich habe gelernt, mich aus Problemen herauszuhalten. Ich habe mich in der Fitness weiterentwickelt und erkannt, dass man sich mit einer guten Fitness beim Fahren leichter tut und weniger Fehler begeht. Das war ein Lernprozess, den ich mittlerweile voll ausspielen kann.

Wie wichtig ist auch in dieser Saison für dich die Zusammenarbeit mit deinem Renningenieur Dave Benbow?
Martin Tomczyk: Für mich ist er eine der wichtigsten Personen in meinem Umfeld. Er ist mit Ausschlag gebend dafür, dass ich in dieser Saison so weit vorne fahre und mich in meiner Konstanz verbessert habe. Für mich ist er das Bindeglied zwischen Auto und Fahrer - und solange er diese Funktion ausfüllt, passen auch die Abstimmungen des Autos. Wir finden gemeinsam oft sehr schnell die richtige Abstimmung und haben umso mehr Zeit für das Testen auf der Strecke.

Habt ihr auch privat ein gutes Verhältnis?
Martin Tomczyk: Es beschränkt sich auf die Arbeit auf der Rennstrecke - allerdings vor allem deswegen, weil er in England lebt und dort seinem Hauptgeschäft nachgeht, wo er jeden Tag eingespannt ist.

Ist euer aktueller A4 DTM mit Blick auf die letzten Rennen als besser herausgestellt als gedacht?
Martin Tomczyk: Wir wussten, dass wir einen Schritt nach vorne gemacht haben, allerdings hatten wir auch Befürchtungen, wie gut die C-Klasse sein wird. Diese Unsicherheit, sich selbst und die Konkurrenz einzuschätzen, besteht immer, wenn ein Hersteller ein komplett neues Auto baut - und im Zweifelfall schätzt man die Konkurrenz als sehr schnell ein. Insofern hatten wir durchaus Bedenken, wie sich unser A4 verglichen mit der C-Klasse schlägt. Aber über die Saison hat sich herausgestellt, dass unser Auto sehr konkurrenzfähig und schnell ist.

Wie verlief die Weiterentwicklung?
Martin Tomczyk: Die Weiterentwicklung betreiben wir über die gesamte Saison hinweg. Man findet immer wieder Details, die sich verbessern lassen. Allerdings liegt unser Augenmerk gerade in dieser Saison bereits auch auf dem nächstjährigen Auto.

Inwieweit seid ihr als Fahrer schon in die Entwicklung des neuen A4 für 2008 eingebunden?
Martin Tomczyk: Tests auf der Strecke finden natürlich noch nicht statt, aber Audi arbeitet schon seit Mitte der Saison an der Entwicklung des neuen Autos. Wir wissen, welche Bereiche des aktuellen Autos verbesserungswürdig sind und versuchen, diese Erkenntnisse schon auf das neue Auto zu übertragen. Die Entwicklungen für 2008 laufen auf Hochtouren, wobei die Fahrer noch nicht so weit in die Entwicklung involviert sind. Wir müssen uns zunächst auf die aktuelle Saison und die Meisterschaft konzentrieren, bevor für uns nach der Saison schon wieder die Testarbeit beginnt.

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