Magdeburg l Dieser Mann lebt Fußball, lebt den FCM. Schon als Spieler (2001 bis 2008), jetzt als Funktionär (seit 2012). Mario Kallnik hat zudem maßgeblichen Anteil daran, dass es seit seinem Einstieg ins Präsidium vor vier Jahren permanent bergauf ging beim Club. Und dass es keinen Stillstand geben darf. Das machte der 41-Jährige am gestrigen Dienstag bei einem Pressegespräch in der MDCC-Arena mehr als deutlich.

Die sportliche Situation

Der FCM ist nach elf Spieltagen mit 16 Punkten Tabellenzwölfter und hat damit genauso viele Zähler wie im Vorjahr. Bis zum ersten Abstiegsplatz sind es acht Punkte Vorsprung. Aber: „Für mich ist das – mit acht Ausrufezeichen – eine trügerische Idylle nach hinten“, warnte Kallnik und will es nicht zulassen, dass der eine oder andere Führungsspieler „in solch eine Falle tappt“. Und weiter: „Wenn Akteure zur Selbstzufriedenheit neigen sollten, meinen, sie könnten sich hier einnisten, werden wir dazwischengrätschen.“

Andererseits sind es nur zwei Punkte bis zum Relegationsplatz drei. Der 41-Jährige betrachtet das als große Chance: „Deswegen habe ich die klare Erwartungshaltung an die Mannschaft, dass sie das Maximale herausholt.“ Wobei sich am Saisonziel „45 Punkte und damit sicherer Klassenerhalt“ nichts geändert hat.

Die Neuzugänge

Der Plan vor Saisonbeginn war, so Kallnik, die Offensive zu stärken. Daraufhin seien von insgesamt sieben Neuverpflichtungen allein fünf Spieler für diesen Bereich verpflichtet worden. „Herausgekommen ist jedoch nicht das, was wir uns vorgenommen haben“, räumte Kallnik ein. In die Stammformation hätten es mit Moritz Sprenger (Abwehr) und Tobias Schwede (Mittelfeld) nur zwei geschafft. Dennoch verteidigte der Geschäftsführer die Transferpolitik („Sie genießen nach wie vor unser Vertrauen“), forderte aber zugleich, dass „jetzt der fußballfachliche Integrationsprozess abgeschlossen werden muss“. Mit anderen Worten: Die Zeit der Eingewöhnung ist vorbei, es gibt keine Ausreden mehr.

Die Kreativität

Einher mit der Stärkung der Offensive sollte auch die Spielkultur verbessert werden. „Es ging darum, ohne Verlust der Defensiv-arbeit mehr Kreativität in die Aktionen nach vorne zu bringen. Das Mittelfeld mit einer Schlüsselposition zu besetzen, die ballsicher ist und auch die schnellen Außen einbezieht. Gerrit Müller verfügt unbestritten über diese Qualitäten“, sagte Kallnik, der die Umsetzung „als Herausforderung für die nächsten Monate“ bezeichnete. Die Frage ist nur, ob Jens Härtel das genauso sieht? Unter dem Chefcoach hat es Müller schwer, weil der Trainer bekanntermaßen großen Wert darauf legt, dass seine Spieler extrem nach hinten arbeiten und Müller seiner Meinung nach hier noch Defizite hat.

Der "Fall Exslager"

Der über Zweitligaerfahrung verfügende 25-Jährige war mit großen Vorschusslorbeeren zum FCM gewechselt, kommt aber kaum zum Zuge. Kallnik: „Wir wollten einen zweiten Stürmer, der für mehr Entlastung sorgen und auch Christian Beck ersetzen kann. Wir haben uns dann für Maurice entschieden, weil die Abschlussquote seine besondere Stärke ist, was er in seinen wenigen Einsätzen ja auch schon nachgewiesen hat. Der Trainer ist aber mit seiner Defensivarbeit nicht zufrieden. Nun kommt es darauf an, dass er nicht wie in Darmstadt den Kopf hängen lässt, sondern weiter Gas gibt. Die Saison ist noch lang, es wird Sperren und Verletzungsausfälle geben. Seine Chance kommt. Er ist kein Fehleinkauf.“

Die Probespieler

Testkandidaten soll es vorerst nicht mehr geben. Kallnik ließ durchblicken, dass die Karten in der Winterpause neu gemischt werden könnten: „25 Spieler soll die Obergrenze bleiben. Wir haben aber finanztechnisch die Option, personell nachzulegen.“

Die Verträge

15 Kontrakte laufen aus, das sind immerhin drei Fünftel des Kaders. Auch der Trainer ist nur bis 2017 an den Club gebunden. Hinsichtlich einer Weiterbeschäftigung von Jens Härtel macht sich Kallnik aber noch am wenigsten Sorgen: „Jens betrachtet die Dinge immer realistisch. Für ihn steht der sportliche Erfolg im Vordergrund. Davor ziehe ich den Hut. Und diese Ehrlichkeit bekommt er von uns zurück.“ Und zu den Akteuren: „Mit drei Spielern bzw. deren Beratern haben wir erste Gespräche geführt. Dabei geht es immer auch um die Frage, ob sie 2017 noch in der Lage sind, uns zu helfen.“

Das Scouting

Hier soll personell aufgestockt werden. Kallnik: „Wir verstärken uns mit zwei Leuten, einer fürs Inland, einer fürs Ausland. Scouting ist immens wichtig. In der Regionalliga kannten wir größtenteils die Spieler, jetzt nicht mehr. Vor der Saison hatte Maik Franz (Assistent der Geschäftsführung und federführend fürs Scouting/d. Red.) 120 Spieler aufbereitet.“

Die 2. Liga

Für Kallnik keineswegs Lichtjahre entfernt: „Wir sind kein Drittligist für die nächsten 15 Jahre. Wenn ich allein die Gelder für die Fernsehverträge sehe, brauchen wir uns über Kosten keine Gedanken zu machen (insgesamt 134 Mio. Euro für die 2. Liga, 12,8 Mio. für die 3. Liga/d. Red.). Der FCM steht für Weiterentwicklung, neue Ziele und Wege. Da darf man keine Zeit verlieren.“ Und weiter: „Hinsichtlich der Infrastruktur haben wir bessere Voraussetzungen als Halle. Und auch mit dem Stadion sind wir mittlerweile gewappnet für die 2. Liga. Das sah vor einem Jahr noch anders aus. Und noch etwas: Derzeit kriegen wir die MDCC-Arena nicht voll. Ich bin überzeugt davon, dass das in der 2. Liga anders wäre.“