Handball Lemke ist erleichtert
Finn Lemke ist eine Last los, nachdem raus ist, dass er den SC Magdeburg verlassen wird. Nun äußert er sich zu den Beweggründen.
Magdeburg l Das begeisternde, fachkundige, aber eben durchaus auch kritikfreudige Magdeburger Handball-Publikum stand am Sonntag beim Spiel gegen Lemgo auf dem Prüfstand. Die Frage war: Gibt es Pfiffe für Finn Lemke, der unter der Woche bekanntgegeben hatte, dass er das Angebot zur Vertragsverlängerung nicht annimmt? Die Antwort: Es gab keine Pfiffe. Und wenn doch, dann waren sie aufgrund der extrem aufgedrehten Einlaufmusik nicht zu hören ...
Zu hören war aber ganz deutlich der Applaus, als der 24-Jährige zum 5:3 einhämmerte, dann das unzufriedene Grummeln und Stöhnen, als er freistehend bei einem Konter versemmelte, um es postwendend beim 17:9 besser zu machen und dafür erneut viel Beifall zu ernten.
Hinterher gab der Abwehrchef des SC Magdeburg zu, dass es für ihn „schon ein besonderes Spiel“ gewesen sei. Nicht nur wegen „einer gewissen Anspannung“, weil er nicht wusste, wie die Fans auf die Hiobsbotschaft reagieren würden. „Und ich war echt froh und bin sehr dankbar, dass man mich genauso herzlich empfangen hat wie vorher auch.“
Besonders war die Partie auch deshalb, weil es „ausgerechnet gegen meinen alten Verein Lemgo ging, zu dem ich noch immer viele gute Kontakte haben. Umso mehr bin ich froh, dass es mit dem Sieg geklappt hat, den wir Spieler so dringend gebraucht haben“, so Lemke, der wegen eines Pferdekusses im Oberschenkel vorzeitig vom Feld musste. Mit Blick auf das Auswärtsspiel am Sonnabend in Gummersbach gab er aber sofort Entwarnung: „Ich gehe davon aus, dass das Ganze kein Problem für die Trainingswoche und unser Spiel beim VfL ist.“
Nicht ganz so offensiv ging der „Riese“ mit seinen angekündigten Weggang aus Magdeburg um. Auf Nachfrage erklärte er: „Es war meine Entscheidung, den Verein als meinen ersten Ansprechpartner darüber in Kenntnis zu setzen, dass ich das Angebot nicht annehmen werde.“ Mit ihm sei von SCM-Seiten fair verhandelt und professionell umgegangen worden, „und ich wollte ebenso fair und professionell sein und früh das Signal geben, damit der Verein die Möglichkeit hat, sich nach neuer Verstärkung umzusehen“, so Lemke, dem natürlich bewusst ist, dass nicht jedermann dafür Verständnis aufbringt, dass er dem ambitionierten Zukunftsprojekt des SCM eine klare Abfuhr erteilt hat.
Zu seinen Beweggründen befragt, antwortete Lemke: „Es ist nichts Persönliches, Privates oder weil ich mich nicht in Magdeburg wohl fühle. Im Gegenteil. Meine Entscheidung hat rein sportliche Gründe, und in erster Linie geht es um die Einsatzzeiten im Angriff.“ Er wolle sich in den nächsten Jahren „zu einem kompletten Spieler weiterentwickeln. Was die Abwehr betrifft, läuft das. Aber mit Blick in die Zukunft sehe ich nicht, dass ich genügend Spielpraxis in der Offensive bekommen werde. Einfach, weil Michael Damgaard ein Spieler ist, der klare Vorteile im Angriff hat und auch ohne große Probleme durchspielen kann. Dementsprechend wird er vom Trainer auch eingesetzt. Für mich fallen da nicht genug Spielanteile ab“, erklärt Lemke seine Sichtweise, betont aber auch, dass er Bennet Wiegert keinen Vorwurf mache: „Als Trainer musst du zielorientiert arbeiten und setzt die Spieler so ein, dass die Erfolgschancen am größten sind.“
Auch Wiegert ging nochmals auf das Thema ein: „Ich hätte gerne mit Finn weitergearbeitet. Er hat sich anders entschieden und ist transparent und ehrlich mit seinen Zukunftsplänen umgegangen. Ich gehe davon aus, dass alle Seiten bis zum 30. Juni so professionell mit der Sache umgehen werden wie bisher.“
Sorgen bereitet Wiegert mit Blick auf das Gummersbach-Spiel vielmehr, dass „die Seuche“ beim SCM ausgebrochen sei: Michael Damgaard, Jannick Green, Marko Bezjak und Jacob Bagersted wurden wegen eines Magen-Darm-Infekt vorerst aus dem Verkehr gezogen.