Der Nachwuchs wächst nicht von alleine nach, schon gar nicht im Handballsport des Kreises. Geburtenschwache Jahrgänge und eine Vielzahl von Sportangeboten haben die Kinder- und Jugendarbeit in den Handballvereinen erschwert. Der Güsener HC versucht seit Jahren, diesem Trend entgegen zu steuern. Mit den " Handballmonstern " soll eine " neue Generation Handball " heranwachsen.

Güsen. " Kinderhandball ist für die Kleinsten das Größte ", steht in bunten Lettern auf einem großen Bettlacken. Das Tuch, auf dem auch farbige Handabdrücke der Kinder und ein Dinosaurier abgebildet sind, hängt an der Tribüne der Güsener Sporthalle. Es scheint so, als würde das Motto der Nachwuchshandballer über allem schweben.

Unten, auf dem Parkett, trainieren sie, die Jüngsten des GHC. Rund 40 Mädchen und Jungen halten ihre Übungsleiter ganz schön auf Trab. " Ich weiß schon, warum wir sie damals ‚ Handballmonster ‘ getauft haben. Wie will man diese Kinder auch sonst bezeichnen ", sagt Güsens Handball-Abteilungsleiter Michael Hoffmann und zwinkert mit den Augen.

Der 38-Jährige gehört längst zu den Größen des Güsener Handballsports. Er spielte über 15 Jahre in der ersten Männermannschaft und führte als lanjähriger Nachwuchs-Trainer die A-Jugend des Vereins 2006 zum Nordligatitel. " Dann gingen diese Spieler in den Männerbereich hoch. Dahinter kam aber nichts mehr nach ", erinnert sich Hoffmann. Ein Bruch in der Nachwuchsarbeit war die Folge, bis heute stellt der GHC keine A-, B- und C-Jugend im Spielbetrieb mehr, geschweige denn eine Mädchenmannschaft. Hoffmann : " Irgendwann wäre uns das auf die Füße gefallen. Wir können uns nun mal nicht wie andere Vereine fertige Spieler für die Oberliga kaufen. "

Deshalb reagierte der Verein und rief die " Handballmonster " ins Leben. " Wir haben praktisch von vorne angefangen ", sagt Hoffmann. Gemeinsam mit seiner Frau Andrea lockte er Kinder im Alter zwischen fünf und acht Jahren zum GHC. Während die Mädchen eine Cheerleader-Gruppe gründeten, wurden die Jungen langsam an den Sport herangeführt. Der Beginn einer " neuen Generation Handball ".

Noch kann Eric Steinbrecher mit seinen Schützlingen mithalten. Beim Techniktraining mit den D-Junioren mimt der Trainer einen Gegenspieler. Nach jeder Aktion nimmt er seine Schützlinge beiseite und gibt Tipps. Steinbrecher muss niemandem mehr etwas beweisen. Er hat die 1. Männermannschaft des GHC in die Oberliga geführt und hätte nach seinem Rücktritt im letzten Jahr kürzer treten können. Er tat es nicht, widmete sich vielmehr der Jugend. " Wir können echt froh sein, dass wir mit Eric Steinbrecher, Thomas Lepper und Andreas Fritz solche kompetenten Übungsleiter gefunden haben ", sagt Michael Hoffmann.

Als langjährige Spieler haben sie genügend Erfahrung, um dem Nachwuchs Handballwissen zu vermitteln. Werden die Jüngsten noch mit vielen Spielen wie Brennball in Bewegung gehalten, geht es bei den Älteren zweimal in der Woche schon um Wurf- und Fangtechniken. Später werden Laufwege, Abwehr- und Angriffsvarianten gelehrt. " Entscheidend für sie ist aber die Spielpraxis. Nur so können sie Handball wirklich lernen ", sagt der Abteilungsleiter.

Deshalb begrüßte er die Einführung einer Nachwuchsliga im Jerichower Land. Dabei treffen die jüngsten Handballer des Kreises einmal im Montag in Turnieren aufeinander. Gleichzeitig halten sich Aufwand und Kosten für die Vereine in Grenzen. Für den GHC ein Glücksfall : " Unsere E-Jugend und Minis sind aktuell Kreismeister geworden ", sagt Hoffmann. Für ihn das Zeichen, nun einen Schritt weiter zu gehen : " In der kommenden Saison wollen wir die E- und D-Jugend für den Spielbetrieb in der Nordliga melden. "

Bis es soweit ist, hält der GHC seine " Handballmonster " auf Trab. Im Sommer ist eine " Handball-Wildnis " am Bootshaus geplant. " So richtig mit Kanufahren, Zelten und Grillen ", sagt Hoffmann. Ein Zeichen, dass der Nachwuchs, der sogar aus Genthin, Burg, Reesen, Hohenseeden und Ferchland nach Güsen kommt, über den Sport hinaus betreut wird. Und auch die GHC-Mädchen sind auf den Geschmack gekommen. " Sie werden weiterhin tanzen, wollen sich aber künftig mehr auf den Handball konzentrieren ", sagt Hoffmann und zwinkert mit den Augen.