Großer Bahnhof im Boxcamp des 1. BC Magdeburg gestern an der Bodestraße. Der Grund: mit Walter Cybinski feierte der "Erste Mann" und Chefcoach der BCM-Boxer seinen 65. Geburtstag. 100 Gäste kamen.

Lemsdorf. Auch an seinem Ehrentag konnte der kleine "Große" nicht vom Stallgeruch lassen, lud seine besten Freunde praktisch ins Seilquadrat des Trainingscamps. "Ich feiere gern im Kreis meiner Sportfreunde, mit denen ich einen Großteil meines Lebens verbracht habe", so der gebürtige Egelner, der 1963 nach Magdeburg kam.

Als aktiver Boxer war der Jubilar im Fliegengewicht bis 51 Kilogramm einer der besten Amateure seiner Zeit, bestritt ein Dutzend Kämpfe für die DDR-Auswahl, von denen er sieben gewann. Zu seiner Erfolgsbilanz zählen die DDR-Jugendmeisterschaft 1963, der Junioren-Titel 1964 sowie nationale Titel im Männerbereich 1966, 1967, 1968 und 1969. Lohn dessen war der Start bei der EM 1967 in Rom.

Nach der aktiven Laufbahn wechselte Walter Cybinski die Seiten, erwarb nach erfolgreichem Studium 1978 die Trainerqualifikation. Seitdem hatte er zahlreiche Talente unter seinen Fittichen, die er zu großen Kämpfern formte und Titelgewinnen führte. Als nach der Wende das Trainingszentrum bei der BSG Motor Mitte den Bach runterging, etablierte Cybinski mit seinen Partnern das Amateurboxen beim MSV 90, später dem 1. BCM, neu. Der kleine Walter mit dem großen Herzen machte den Boxsport in Magdeburg praktisch wieder salonfähig. "Das hatte sich bald bei Boxern und Sponsoren herumgesprochen", so der Trainer und Mann für alle Fälle.

Gemeinsam mit seinen Co-Trainern Helmut Woge und Gerhard Burghardt gelang zunächst der Aufstieg von der Oberliga in die 2. Bundesliga sowie 1998 der nahtlose Übergang in die 1. Bundesliga. Bereits ein Jahr später gelang der erste große Coup, der Gewinn der Deutschen Mannschaftsmeisterschaft. Nach einem Herzschlagfinale im Februar 2000 gelang dem 1. BCM die erfolgreiche Titelverteidigung vor dem punktgleichen Bayer Leverkusen.

Der Titel-Hattrick indes blieb Cybinski und seinem BCM versagt. 2001 gab es noch einmal den Vizemeister-Titel, doch blieben schon manche Plätze in der Gieselerhalle frei, fehlten die Identifikationsfiguren, wie es Andreas Sidon, Rustam Rahimov, Dirk Dzemski, Leonardo Sanchez, Lukas Konecny, Malik Dziara, Alexander Povernov, Enrico Thormann, Akhmed Djafarow oder Maik Kulbe seinerzeit waren. Einige tauchten später im SES-Profiboxstall auf, dessen Chef Ulf Steinforth einst Chef des BCM-Fördervereins war. Anfang des neuen Jahrtausends setzte der schleichende Niedergang des Amateurboxens auch an der Elbe ein.

Auch Cybinski konnte nicht verhindern, dass sich fast der gesamte Nachwuchsbereich, aus welchen Gründen auch immer, vom 1. BCM lossagte und am 1. Juli 2002 mit Punching Magdeburg einen eigenen Verein gründete. Ungeachtet dessen blieb Cybinski dem 1. BCM im MSV 90 als Trainer und Abteilungsleiter treu. Bis zum heutigen Tag sorgte er dafür, dass es im Boxcamp in Lemsdorf weiterhin läuft. Dabei denkt Neu-Rentner Cybinski noch längst nicht ans Aufhören: "Ich will, so lange es meine Gesundheit erlaubt, mindestens noch fünf Jahre dabei sein. Dann bin ich 70 und habe hoffentlich einen geeigneten Nachfolger gefunden."