Bernburg (nrc) l "Wenn man in einem Endspiel steht, will man auch gewinnen", sagte Sören Leßmann, Trainer des Salzlandligisten Egelner SV Germania, im Vorfeld des Finals im Fußball-Salzlandpokal. Doch daraus wurde nichts. Mit 1:5 (1:2) unterlag der ESV dem Schackstedter SV. Überschattet wurde die Partie von Ausschreitungen zwischen den Fans.

Zunächst zeigte der ESV noch etwas Respekt vor dem Gegner aus der Landesklasse, was aber nicht unbedingt an dessen Können lag, sondern an seiner Aufstellung. "Ich hatte mir im Vorfeld ein Punktspiel von Schackstedt angesehen und danach meine Taktik aufgebaut. Aber im Pokal lief der Gegner dann anders auf als erwartet. Da mussten wir uns erstmal neu sortieren", begründete Leßmann. Dies gelang Egeln nach zehn Minuten. Das Team setzte die Vorgaben des Trainers gut um: Die Abwehr stand sicher, vor allem die beiden Außenverteidiger zeigten eine sehr gute Leistung. Dennoch hatte der SSV zunächst mehr Chancen und ließ sich vom teilweise recht rauen Zweikampf-Verhalten der "Gastgeber" nicht beeindrucken. Doch dann verlor Schackstedt den Faden. Andreas Jannot ließ gleich zwei Kontrahenten stehen und versuchte sein Glück, wurde aber aufgehalten. Der Unparteiische gab Freistoß. David Bude trat an und verwandelte mit einem gezielten Schuss über die SSV-Mauer zum 1:0 (27.).

Gleich darauf hatte Jannot eine Riesenchance, bei der Schackstedts Kapitän Michel Pilz nicht gut aussah. Jannot hatte den Ball am SSV-Strafraum auf dem Fuß und wartete auf seine Mitspieler, die sich noch in der Rückwärtsbewegung befanden. Pilz erreichte Jannot zuerst, stand dann aber einfach nur da und wartete, was passieren würde, ohne den Egelner anzugreifen. Doch Jannot vergab.

Es sah schon nach einer 1:0-Pausenführung für Egeln aus, doch dann ging es plötzlich Schlag auf Schlag. Zunächst traf Marvin Vatthauer nach Eckstoß zum 1:1 (45.), dann versenkte Sebastian Horner das Leder in der Nachspielzeit der ersten Hälfte. Egelns Keeper Mirko Schramm sah dabei nicht gut aus.

Vom schnellen Rückstand hatte sich Egeln offenbar so sehr schocken lassen, dass beim ESV in der zweiten Halbzeit nichts mehr zusammenlief. Schackstedt stellte sich nun auf Egelns lange Bälle ein und erhöhte den Vorsprung auf 3:1 durch einen fragwürdigen Treffer von Horner (68.), da er sich in abseitsverdächtiger Position befand.

Dadurch wurde Egeln vollends aus dem Konzept gebracht. Das wirkte sich auch auf die Stimmung der Fans aus. Während die Schackstedter Anhänger jubelten, wurden die ESV-Fans immer missmutiger. Einige Schackstedter übertrieben wohl mit ihrer Freude. Die Gesänge verwandelten sich in kleine Sticheleien, die schließlich in einem Handgemenge ausarteten. Einige Egelner Fans stürmten auf die Schackstedter zu. Das Match wurde unterbrochen, da sogar Spieler eingreifen mussten, um ihre Anhänger zu beruhigen.

Fußball wurde bis zur Siegerehrung nun Nebensache, aber die Partie war zu diesem Zeitpunkt bereits entschieden, denn es stand nun schon 5:1 für die Schackstedter. Trotz der Ausschreitung reichten sich beide Teams die Hände und nahmen ihre Pokale entgegen. "Wir haben aufgrund körperlicher Defizite verloren, da wir in den letzten Wochen einige Trainingseinheiten ausfallen lassen mussten", so Leßmann nach dem Spiel. "Das 1:3 hat uns dann das Genick gebrochen. Danach haben wir zu sehr auf den Anschluss gedrängt. Es war ein Tanz auf der Rasierklinge. Aber letztlich war Schackstedt besser."

Egeln: Schramm - Wolf, Börner, Schmidtke (78. Herter), J. Brauer, Liste (78. Rohde), S. Brauer (51. Ruge), Jannot, Michael, Bohne, Bude

Schackstedt: Mach - Behrens, Pilz, Reitmann, Elle (70. Ulbricht), Horner, Bauer (75. Fischer), Dittrich, Vatthauer (78. Müller), Falke, Schütze

Tore: 1:0 David Bude (27.), 1:1 Marvin Vatthauer (45.), 1:2, 1:3 Sebastian Horner (45.+3, 68.), 1:4 Uwe Reitmann (72.), 1:5 Sebastian Horner (83.); SR: Norbert Herzog; ZS: 298; Rot: Steven Pörner (82., Egeln)