Wie heißt es so schön: Egal wie gut man ist, man findet immer einen Japaner, der es besser kann. Dass dies vor allem für den Kampfsport gilt, davon konnten sich die Schüler des 1. Schönebecker Judoclubs bei einem Training, Offene Matte, überzeugen. Neun Judoka aus Fernost waren zu Gast in der Elbestadt und absolvierten gemeinsam mit ihren deutschen Kollegen eine dreistündige Einheit. Geleitet wurde das Training von Olympionikin Claudia Malzahn.

Schönebeck l Der Unterschied zwischen den Japanern und den Deutschen war von Beginn an zu sehen. "In Japan fangen die Kinder viel früher an als wir und haben auch viel strengere Trainingsmethoden", erklärte Uwe Schedler (2. Dan), Vereinsvorsitzender des 1. Judoclubs. Bester Beweis seiner Worte: Die Erwärmung vor dem eigentlichen Training wurde vom 15-jährigen Tomohiro Furuya geleitet, der bereits den schwarzen Gürtel trägt.

Erwärmung kostet bereits Kraft und Ausdauer

Zweiter Beweis für Schedlers Worte: Die Erwärmung kostete die deutschen Judokas schon einiges an Kraft und Ausdauer. "Wir wiederholen unsere Übungen meist nur fünf oder zehn Mal, dann startet das eigentliche Training. In Japan werden die Erwärmungsübungen bis zu 30 Mal wiederholt", erläuterte Schedler. Und die Erwärmung bestand nicht ausschließlich im Kreisen von Armen und Beinen.

Jede Runde wurde schwieriger, beinhaltete auch das richtige Fallen. Tomohiro und seine Kameraden aus der Judoschule von Myoko Hamana (4. Dan), zeigten schon fast akrobatisch anmutende Übungen. Und was bei den Japanern spielerisch leicht aussah, verlangte den deutschen Judokas doch einiges ab.

Nach der Erwärmung übernahm Malzahn das Training. Sie zeigte eine ihrer Spezialwurftechniken, Uchi-mata. Dabei führte sie die Kinder in drei Schritten an den Wurf heran. Jeder wurde mit dem Partner trainiert.

Im Anschluss gab es ein Randori (Übungskampf). Hier sollten die Schüler den gelernten Wurf einsetzen. In je zwei Gruppen rangen die Kinder paarweise für je zwei Minuten miteinander. Dabei gab es schon mal die ein oder andere schmerzhafte Erfahrung, wenn man sich nicht richtig fallen ließ.

Gesellschaftsspiele sind in Japan beliebt

Auch Anika Worg musste zwischendurch eine Pause einlegen, da sie unglücklich gefallen war. Doch trotz des Sturzes war die 16-Jährige, die seit acht Jahren Judo betreibt, begeistert von diesem Training. Anika hatte auch die Gelegenheit, einige der Japaner richtig gut kennenzulernen, denn ihre Familie nahm zwei der Schüler auf. Das einzige Problem bildete die Sprachbarriere, aber dank Internetübersetzer gelang die Verständigung auf Englisch doch ganz gut. Anika bot dem 13-jährigen Riyo und der zehnjährigen Yoko ein zu Hause. "Die Japaner sind viel höflicher als wir Deutschen", erklärte sie. "Und sie mögen unheimlich gern Gesellschaftsspiele wie Mensch-Ärgere-Dich-Nicht oder Mikado." Mit Riyo verstand sich die Schönebeckerin am besten, denn "er konnte ganz gut englisch sprechen."

Im Training bewunderte die 16-Jährige "die Disziplin. Die Japaner konzentrieren sich voll und ganz auf die Übungen." Anika selbst war schon nach der Erwärmung ziemlich außer Atem. "Das war ganz schön anstrengend". Aber es war für sie eine tolle Erfahrung. "Ich finde, so eine Erwärmung könnten wir auch bei uns einführen. Wir haben uns ja auf alle Körperregionen konzentriert und nicht nur auf Arme oder Beine."

Geburtstagszeremonie aus Japan für Claudia Malzahn

Nach dem Randori endete das Training mit akrobatischen Übungen. Höhepunkt war für alle das Bauen einer Pyramide. Das gelang zwar nicht wirklich, aber die Kinder hatten jede Menge Spaß dabei. Dann war es noch einmal an Malzahn sich auf der Matte zu zeigen. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Da der Judoka am vergangenen Sonnabend den 31. Geburtstag feierte, hatten die Japaner eine besondere Zeremonie vorbereitet. Jeder Schüler durfte die Olympionikin mit einem Wurf auf die Matte schicken. Malzahn schien es ziemlichen Spaß zu machen.

Nachdem sie sich wieder aufgerappelt hatte, wurden ihr noch Blumen überreicht und sie wurde mit reichlichen Dankesworten vom Judoclub verabschiedet. Malzahn ging allerdings nicht, ohne vorher ihren kleinen Fans Autogramme zu geben. "Wenn ihr ganz lieb fragt, bekommt ihr vielleicht auch eine Unterschrift auf eurem Gürtel", sagte Schedler augenzwinkernd.

"Wir haben so ein Training in dieser Größenordung zum ersten Mal gemacht", berichtete der Vorsitzende. Er hatte sich bei einem privaten Besuch in Tokio nach einer Schule erkundigt, die Interesse an einem Austausch mit einem deutschen Verein hätte. Die Schule von Hamana meldete sich und per E-Mail wurde alles abgesprochen.

Neben dem 1. Schönebecker Judoclub nahmen auch Vereine aus Naumburg, Magdeburg, Köthen, Gerwisch und Halle am Training teil. Außerdem ließen sich einige Sportler des 1. Ju-Jutsu Vereins Bushido Schönebeck diese Gelegenheit nicht entgehen.

 

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