Sotschi | Enno Wank hat nicht lange nach einem geeigneten Raum für das private Public Viewing in Domnitz suchen müssen. "Der Nachbar hatte das größte Wohnzimmer", berichtet er. Dort versammelten sich am Montagabend 20 Fernsehkieker zum gemeinsamen Jubel: Nach Silber in Vancouver 2010 gewann der berühmteste Sohn der 750-Seelen-Gemeinde, Andreas Wank, in Sotschi Gold im Mannschaftsspringen. Vater Enno und Mama Amina ließen nach dem Triumph die zehn Kuhglocken, die sie in jedem Jahr von der Vierschanzen-Tournee mitbringen, läuten.

Und es hat sich am Dienstag angedeutet, dass der Jubel um Andreas Wank auch lange nach seiner Rückkehr aus Sotschi nicht verklingen mag: Bürgermeisterin Antje Klecar will einen Platz in Domnitz auf den Namen Wank taufen, berichtet Enno Wank. Zuvor hat der Sohn auch noch Weltcups und die Skiflug-Weltmeisterschaft in Harrachov (13. bis 16. März) zu bestreiten.

Wank hat sich mit der Goldmedaille das schönste Geschenk gemacht

Aber zunächst wird es ihm wichtig sein, für ein paar Stunden mit Freundin Alina sein neues Haus in Titisee-Neustadt zu genießen. Dort lebt Andreas Wank nämlich seit 2010. "Den Umzug ins Haus haben wir am vergangenen Wochenende erledigt", freut sich Vater Enno.

In einem Safe soll dann die goldene Medaille ihren Platz finden, sagt das Familienoberhaupt lächelnd: "So etwas lässt man nicht in einer Vitrine rumliegen, oder?" Nach vielen versilberten Jahren, angefangen in Vancouver, soll das Gold nun Zuwachs erhalten. "Im Einzel wird es wohl ein bisschen dauern, aber in der Mannschaft ist das schon bei der Skiflug-WM möglich", ist sich Enno Wank sicher.

Andreas Wank selbst ist erstmal "glücklich, dass es endlich mit Gold bei Olympia geklappt hat", erklärt er nach dem Coup, zu dem ihn auch der Skiverband Sachsen-Anhalt per Facebook beglückwünschte, wie der Sportkoordinator Thomas Hedderich mitteilt. "Mit dem Erkämpfen der Goldmedaille hast Du Dir nicht nur selbst das schönste Geschenk gemacht, sondern auch die vielen Sportlerinnen und Sportler, deren Eltern, die ehrenamtlichen Trainer und Übungsleiter des Landes beflügelt! Die ganze Skifamilie in Sachsen-Anhalt, vom Brocken bis nach Halle, ist glücklich und gratuliert zu der unglaublichen Leistung. Dein Werdegang zeigt, dass auch ein Wintersportler aus dem Flachland Olympiasieger werden kann", steht dort geschrieben.

Andreas Wank ist stolz auf deutsche Skispringer

Dabei hatte Wank keinen einfachen Stand nach Platz zehn von der Normalschanze und verpasster Nominierung für das Springen von der Großschanze. "Ich kann mich immer wieder aufraffen, und bei Großereignissen bin ich immer extrem motiviert", erklärt er zugleich die Tatsache, dass er als Einziger schon vor dem Teamwettbewerb laut an Gold geglaubt hatte.

Wank, der am Dienstag seinen 26. Geburtstag feierte ("Der ist ein bisschen runtergefallen"), hatte zudem seinen Teamgefährten Marinus Kraus, Andreas Wellinger und Severin Freund, allesamt olympische Debütanten, die Erfahrung aus einem Ringespektakel voraus und konnte entsprechend Tipps geben: "Ich habe ihnen gesagt, sie müssen immer ein Strahlen auf den Lippen haben und den Wettbewerb mit Freude genießen. Alle haben es super durchgezogen und durchgelebt. Ich bin stolz auf diese Mannschaft."

Die Familie durfte indes nur in den heimischen Wänden mitstrahlen. "Andreas möchte bei Großereignissen ganz bei sich sein und sich nicht noch um die Familie kümmern müssen", erklärt Enno Wank. Um den Empfang in Domnitz nach der Saison wird er sich indes kaum drücken können. Eine kleine Schanze in Rothenburg, wo Wank als Kind seine ersten Sprünge absolvierte, ist schon nach ihm benannt. Ein ganzer Platz in Domnitz macht ihn noch ein bisschen unsterblicher für seine Heimat.