Magdeburg l Das Glück kommt zu denen, die lachen - so lautet eine buddhistische Weisheit. Und Eric Krüger, jüngst als Leichtathletik-Hallenmeister über 400 Meter gekürt, ist glücklich und strahlt deswegen auch mit der Frühlingssonne um die Wette. Innerhalb weniger Tage startete er voll durch: Von der Laufbahn aufs Siegerpodest, in den Schnee und wieder zurück auf die Laufbahn. "Ich genieße das Leben gerade in vollen Zügen. Er geht mir gut. Ich habe mein Leben neu geordnet und offensichtlich meine innere Mitte gefunden", sagt der Magdeburger. "Mir wird bewusst, dass es mich tatsächlich glücklicher macht und ich Spaß dabei habe, zu geben statt zu nehmen. Und ich habe gelernt, auch mal loszulassen."

Innere Mitte finden, Loslassen als Schlüssel zum Erfolg - das klingt ein wenig nach "Kopfwäsche". Und im weitesten Sinne stimmt das wohl auch, denn der SCM-Leichtathlet hat sich "in letzter Zeit viel mit dem Buddhismus beschäftigt und die Gedanken neu geordnet".

Die Zeit dazu war da, denn in der Vorbereitung auf die Hallensaison gab es immer wieder Zwangspausen. Muskuläre Probleme wechselten sich mit Rückenbeschwerden ab, dazu kam eine Entzündung an der Bandscheibe. "Ich konnte vor den Hallenmeisterschaften nur drei Wochen voll trainieren. Und dann erwischte mich kurz vorher auch noch ein Infekt. Eigentlich lief alles gegen mich und eine neue Hallenbestzeit", blickt der 25-Jährige zurück und gibt zu: "Wenn meine Eltern nicht zufällig bei einem Gewinnspiel VIP-Karten für die Titelkämpfe in Leipzig gewonnen hätten, wäre ich wohl gar nicht gestartet."

Doch Krüger biss sich durch - ohne jedoch in die alte Schwäche, eine zu große Verbissenheit, zu verfallen. "Einfach mal laufen lassen und schauen, was dabei herauskommt." Ein Erfolgsrezept, wie sich herausstellte: "Der Vorlauf war zwar ziemlich anstrengend, aber ich konnte sogar noch ein paar Körner fürs Finale sparen. Dass ich dort hintenraus sogar noch dagegenhalten konnte und mit 46,92 Sekunden sogar meine vier Jahre alte Bestzeit knacken konnte, das war so nicht zu erwarten. Ich bin von einer Zeit so um die 47,50 ausgegangen", so der Viertelmeiler vom SCM.

Wem er diesen Erfolg zu allererst zu verdanken hatte, wusste der Polizeimeister: seinem Trainer Marco Kleinsteuber. "Ich kann nur sagen: Hut ab. Wie er es in der kurzen Zeit geschafft hat, mich fit zu bekommen, das war schon Klasse. Auch die Renntaktiken, die wir uns zurechtgelegt hatten, haben gepasst wie die Faust aufs Auge. Ich brauchte nur noch die richtige auswählen und im Finish zuschlagen. Der Kampf Mann gegen Mann ist ja genau mein Ding", so Krüger.

Nach dem "Zwischenjahr" 2013, in dem er den Schwerpunkt im Training auf die Unterdistanzstrecken (60, 100 und 200 Meter) gelegt hatte und es trotzdem zu einer neuen Bestzeit über die Stadionrunde geschafft hatte (45,77 Sekunden), sowie dem holprigen Saisonverlauf bis dato stellt sich der gebürtige Sachse vor allem eine Frage: "Es würde mich wirklich mal interessieren, zu was ich in der Lage bin, wenn es mal über Monate hinweg im Training störungsfrei läuft."

Eine (positive) Antwort erhofft er sich spätestens im August bei der EM in Zürich: "Ich hoffe ganz einfach auf eine reibungslose Vorbereitung, und dann werden wir ja sehen, was ich daraus machen kann. Mein Ziel ist auf jeden Fall die EM-Einzelnorm über 400 Meter, und natürlich wollen wir auch mit der Staffel etwas reißen."

Bevor Krüger ins Training für die Freiluftsaison eingestiegen ist, hat er sich eine Auszeit genehmigt und die Spikes gegen ein Snowboard eingetauscht: "Ich war eine Woche in Schladming, bin dort in den Bergen Snowboard gefahren. Das war total geil. Mit tut dieses Break zwischen Winter und Sommer unheimlich gut. Das habe ich im Vorjahr das erste Mal so gemacht und meinen Kopf damit super freibekommen."

Weil aber in allen Dingen der Erfolg von den Vorbereitungen abhängt, wie auch der Buddhismus es lehrt, stürzt sich Eric Krüger nun voller Tatendrang ins Training: "Ich bin motiviert, fühle mich befreit und bin schon riesig gespannt, was mir der Sommer bringt."

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