Magdeburg l Leichtathletik hätte ihr auch ganz gut gestanden. Nicht nur aufgrund der Historie. Daria Berestov ist geboren und aufgewachsen im sibirischen Slawgorod, der Heimatstadt von Olga Bondarenko, der Olympiasiegerin über 10.000 Meter von Seoul 1988. Das hatte damals womöglich einen Boom unter den 32.000 Einwohnern Slawgorods ausgelöst, aber der Boom war bei Daria Berestov nicht mehr angekommen. Mit acht Jahren zog es sie mit ihren Eltern nach Magdeburg zu den Großeltern, die bereits seit 1995 an der Elbe leben. Mit 16 ist sie heute eine ambitionierte Brustschwimmerin beim SCM. Ihr nächstes Ziel bei den deutschen Meisterschaften in Berlin Anfang Mai lautet: "Ich will ins A-Finale kommen über 200 Meter", betont sie.

Mit Blick in die Geschichte bleibt festzuhalten, dass die letzten Magdeburger Erfolge in ihrer Disziplin alt bis uralt sind. Da gab es eine Hilde Schrader, die für den 1. Magdeburger Damen-Schwimmverein 1928 Olympiagold in Amsterdam über 200 Meter gewann. Da gab es Barbara Göbel, die 1960 Bronze in Rom für den SCM holte. 200 Meter sind auch die Spezialstrecke der Daria Berestov, sie kann in die (großen) Fußstapfen von Schrader oder Göbel treten, wenngleich sie mit diesen Namen nicht viel anfangen dürfte. Dafür sind die Namen der aktuell Besten sofort präsent: Julia Efimowa (Russland/derzeit aber wegen Dopings gesperrt), Ruta Meilutyte (Litauen) und Rebecca Soni (USA).

Anders als andere ist Daria Berestov nicht über die "Seepferdchenprüfung" zum Schwimmen gekommen, sondern weil ihr Vater sie mit neun Jahren in den Barleber See schickte, um es zu lernen. Ein halbes Jahr später stellte sie sich beim SCM vor. "Und dann habe ich gleich mit dem Brustschwimmen angefangen", berichtet die hübsche, ruhige, fast schüchterne Daria. Seit einem Jahr gehört sie nun zur Gruppe von Trainer Bernd Berkhahn. "Wir haben viel verändert in der Technik, der Bewegungsablauf ist anders", sagt sie. "Aber ich muss noch ein paar Kilo Muskeln zulegen", hat ihr wiederum der Coach erklärt. Und das: "Daria möchte in diesem Jahr noch eine 2:32 Minuten schwimmen, das wird nicht einfach, aber es ist eine große Herausforderung. Und sie kann das schaffen."

Schon beim jüngsten Wettbewerb um den Gothaer Pokal wollte sie ihre Rekordzeit auf 2:34 Minuten verbessern, eine 2:36,21 (Rang neun in der deutschen Jahresrangliste) ist es geworden: "Ich bin die erste Bahn zu schnell angegangen, war dann fest. Trotzdem bin ich zufrieden mit der Zeit", erklärt sie. Und sie hat ja noch Zeit - zumindest fürs Schwimmen und für ihre Ambitionen. "Für andere Hobbys istkein Platz", sagt Daria, die neben Kunst auch Mathe in der Schule mag: "Weil es logisch ist."

Das ist der Sport zum Glück nicht immer: Allein aufgrund ihrer Physiognomie hätte sie auch eine gute Langstreckenläuferin werden können.