Magdeburg l Dimitris Polychroniadis wird ein großes Blatt Papier mit all seinen Eindrücken von der abgelaufenen Saison füllen, Namen notieren, Bilanzen zu- und einordnen, das Positive und das Negative gegenüberstellen. Er wird mit den Verantwortlichen des BBC Magdeburg "alles auf den Tisch bringen und analysieren", sagte der Coach der Otto Baskets. Er wird Empfehlungen geben, Spieler zu halten - oder nicht zu halten.

Der Trainer Polychroniadis wirkte am Ende der Saison, die seine Baskets am Sonntagabend nach einer 61:77-Niederlage gegen Chemnitz auf dem letzten Platz der 2. Bundesliga Pro A abgeschlossen haben, müde. Der Mensch Polychroniadis ebenso. Er sei an Grenzen gestoßen in den vergangenen sechseinhalb Monaten. Er sei geprägt worden von vielerlei Problemen.

Es war eine lehrreiche Zeit, die ihn auch weitergebracht hat, "als Mensch und als Trainer". Er habe deshalb eine "schöne Reise erlebt durch die Pro A, ohne Wenn und Aber". Und zwei Dinge haben sich gar nicht verändert: "Ich kann mich mit meiner Arbeit identifizieren. Und ich habe dem Verein mein Herz geschenkt."

BBC Magdeburg litt unter Personalfluktuation

Er bezweifelt, dass dies auch allen anderen gelungen ist. Er ist sich sicher, dass die richtige Einstellung zum Klassenerhalt gereicht hätte. Und Konstanz in den Leistungen. An beiden sind die Baskets letztlich gescheitert.

Nein, zu einer Einheit hat es nie gereicht, bestätigte Edward Seward, der 35-jährige Center. "Alle vier Wochen hat sich die Mannschaft geändert", begründete es Polychroniadis. "Es gab zu viele Persönlichkeiten, die letztlich keine waren", stellte er auch zur personellen Fluktuation während der Saison klar.

Seward war von Anfang an dabei - ein Sympathieträger und Publikumsliebling. Er wird sich nun seiner Aufgaben als "Family Man" widmen. Er ist zum zweiten Mal Vater geworden vor zwei Monaten. Er wird sein Heimatland, die Bahamas, besuchen, er wird ein paar Wochen in Virginia Beach (USA) verbringen. Dann kehrt er zurück nach Deutschland. Nur wo er spielen wird, das weiß er noch nicht.

Morinias Rückkehr ist unklar

Lamar Morinia wird seine Zukunft in der Familie in Albuquerque (USA) besprechen. Er ist vor fünf Wochen zum vierten Mal Vater geworden. Wie Seward empfindet er den Abstieg als "die größte Enttäuschung. Wir haben so hart gekämpft für den Klassenerhalt. Aber wir hatten in wichtigen Momenten nicht den entscheidenden Mann", erklärte der 33-Jährige.

Ob er zurückkehrt nach Magdeburg? "Wir werden in Kontakt bleiben", sagte Morinia, der Point Guard, der mit 349 Zählern die meisten Punkte für die Baskets erzielte. Aber in der Pro B spielen in der Regel nicht mehr als zwei Amerikaner. In der Pro B schrumpft nämlich der Teametat auf 250.000 Euro - die Hälfte des Saisonhaushaltes der Mannschaften in der Pro A.

Polychroniadis will zunächst "Abstand gewinnen". Entscheidungen werden vorläufig sowieso nicht getroffen, der BBC muss zunächst bis 15. April seine finanziellen Verbindlichkeiten im fünfstelligen Bereich bei der "Jungen Liga" begleichen, um überhaupt eine Lizenz für die nächste Saison zu erhalten. Erst dann beginnt die Personalplanung für den 44-Jährigen. Zumindest hat diese im Vergleich zum vergangenen Sommer, als in nur vier Wochen nach Wildcard-Übernahme ein konkurrenzfähiges Team aus dem Boden gestampft werden musste, einen großen Vorteil: "Jetzt haben wir Zeit."