Magdeburg l Um kurz vor halb elf an jenem Mittwochabend vor 40 Jahren streckten die Sparwasser Co. die Siegerfaust in den nächtlichen Himmel von Rotterdam. Soeben hatten sie den Weltpokalsieger und Cupverteidiger AC Mailand nach einem Eigentor von Lanzi und dem Treffer von Wolfgang "Paule" Seguin völlig verdient mit 2:0 bezwungen. Damit schloss sich, wie von Trainer Heinz Krügel acht Monate zuvor vorhergesagt, der Kreis im Rotterdamer "Kuip".

Am 19. September 1973 starteten die Elbestädter im Rotterdamer Feyenoord-Stadion mit einem 0:0 gegen den NAC Breda in die Europapokal-Saison 1973/74. Der Nullnummer folgte ein Heim-2:0 gegen die Holländer. Danach schalteten die Krügel-Schützlinge Banik Ostrava (0:2/3:0 n.V.), Beroe Stara Zagora (2:0/1:1) sowie Sporting Lissabon (1:1/2:1) aus, um schließlich im Endspiel den favorisierten AC Milan mit 2:0 zu düpieren.

Am Freitag kommt die FCM-Elf zu ihrem traditionellen Jahrestreffen zusammen, trifft sich diesmal in Thale bei Keeper Ulrich Schulze.

Was ist aus den Helden von damals geworden?

Ulrich Schulze (66): Geboren in Darlingerode, wohnt der einstige Keeper jetzt in Thale, ist am Freitag Gastgeber des jährlichen Treffens der Siegerelf von 1974. Schulze ist jetzt Rentner, war zuvor als Trainer tätig, zuletzt bis Sommer 2012 in Waren.

Detlef Enge
(62): Mit gerade einmal 25 Jahren beendete der aus Schwanebeck stammende Rechtsverteidiger seine fußballerische Laufbahn. Zum zehnjährigen Treffen 1984 im damaligen Grubestadion ließ sich Enge letztmalig im Kreise der Mannschaft blicken, gilt seitdem als "verschollen".

Manfred Zapf
(67): Der aus Stapelburg im Harz stammende Verteidiger war Libero und Kapitän der erfolgreichen FCM-Elf. Später wirkte Zapf unter anderem als FCM-Vorsitzender, stellvertretender NOFV-Generalsekretär und FCM-Geschäftsstellenleiter. Als einer von drei Trainern betreute er 1989 die DDR-Nationalmannschaft, die gegen Österreich die Qualifikation für die WM 1990 in Italien verpasste. Jetzt ist Manfred Zapf Rentner, lebt seit langem in Berlin.

Helmut Gaube (68): Der in Schnarsleben geborene Defensivspieler rutschte aufgrund der Gelbsperre von Klaus Decker in die Endspiel-Elf, schaltete Milan-Regisseur Gianni Rivera aus. Helmut Gaube war später als Sportlehrer an der TH/Uni Magdeburg tätig, lebt heute als Rentner in der Elbestadt.

Wolfgang Abraham (71): Der Oldie im Team wurde 1942 in Osterburg geboren, wechselte im Lauf der Jahre von der Stürmerposition in die Abwehr. Nach Beendigung seiner Laufbahn war Wolfgang Abraham zunächst in verschiedenen Funktionen beim FCM tätig, später bei der ÖSA. Der gebürtige Altmärker ist am 3. Februar 2013 mit 71 Jahren in Magdeburg verstorben.

Wolfgang Seguin (68): Der aus Burg stammende Mittelfeldakteur erzielte im Finale von Rotterdam das Tor zum 2:0-Endstand, ist auch heute noch in seiner Wahlheimat Stendal aktiv in der Ü 32 und Ü 50 von Lok sowie in der Halle am Ball. "Paule" Seguin hält mit 219 Oberliga-Partien am Stück einen einsamen Rekord, der 1979 nach der dritten Gelben Karte unterbrochen wurde. Auch seine 59 EC-Spiele stellen eine Vereins-Bestmarke dar. Nach Beendigung seiner Laufbahn war Wolfgang Seguin unter anderem Mannschaftsleiter, später Mitglied des Aufsichtsrates, ist jetzt im Sport-Beirat des FCM. Nach der Wende baute er in Magdeburg eine florierende Gebäude- und Glasreinigungsfirma auf, die er inzwischen an seine Söhne Maik und Norman übergeben hat. Seguin selbst lebt als Pensionär in Stendal.

Jürgen Pommerenke (61): In Wegeleben geboren, avancierte der Edeltechniker zu einem der erfolgreichsten DDR-Kicker. Der Mittelfeldstratege besitzt einen kompletten Medaillensatz des UEFA-Juniorenturniers (vergleichbar mit der heutigen U-21-EM), wurde 1975 DDR-Fußballer des Jahres. Nach der Wende war er unter anderem als FCM-Trainer in der Oberliga und Nachwuchsleiter tätig. Jürgen Pommerenke lebt in Magdeburg und betreibt eine Fußballschule.

Axel Tyll (60): Den gebürtigen Magdeburger und Vorlagen-Geber zu Seguins 2:0 in Rotterdam hat es nach Beendigung der Karriere in den Harz verschlagen. Axel Tyll, kongenialer Partner von Pommerenke, wohnt seit über 30 Jahren in Wernigerode, arbeitet als Lehrer in Darlingerode.

Detlef Raugust (59): Den in Zerbst geborenen Außenstürmer, der wie viele seiner Mitspieler später immer weiter nach hinten rückte, hat es nach der Wende am weitesten von Magdeburg weg verschlagen. Detlef Raugust arbeitet als Physiotherapeut in Oberammergau, lebt auch in Oberbayern.

Jürgen Sparwasser (65): Spätestens seit der WM 1974 und seinem Tor zum 1:0 gegen den späteren Weltmeister Bundesrepublik Deutschland war Jürgen Sparwasser das Gesicht des 1. FC Magdeburg. Mit seinen zwei Treffern in den Halbfinalspielen gegen Sporting Lissabon hatte der Mittelstürmer großen Anteil am Endspiel-Einzug. Nach Beendigung seiner aktiven Karriere arbeitete Jürgen Sparwasser an der damaligen Pädagogischen Hochschule Magdeburg, nutzte einen Aufenthalt mit der FCM-Altherrenmannschaft 1988 zum Verbleib in der BRD. Dort war der Torjäger als Trainer und später als Präsident der Vereinigung der Vertragsfußballer tätig. Seine Aktivitäten zum Bau und Betreiben einer Fußballschule zuletzt in Brieselang blieben erfolglos. Jürgen Sparwasser lebt in Bad Vilbel, ist noch als Projektleiter in der Fußballschule von Eintracht Frankfurt tätig.

Martin Hoffmann (59): Der aus Gommern stammende Linksaußen war das "Küken" der Magdeburger Endspiel-Elf. Mit dem Gewinn des Europapokals und der erfolgreichen WM-Teilnahme wenige Wochen später sowie Olympia-Gold mit der DDR 1976 in Montreal wurde Martin Hoffmann zum erfolgreichsten FCM-Kicker aller Zeiten. Später arbeitete er als Trainer beim FCM, betreute nach der Wende mehrfach auch das Oberliga-Team der Blau-Weißen. Zuletzt war Martin Hoffmann als Trainer der U 19 des Clubs tätig, schied im vergangenen Sommer auf eigenen Wunsch aus. Anfang Januar erhielt der einst pfeilschnelle Angreifer im Fachkrankenhaus Vogelsang ein neues rechtes Kniegelenk, ist nach absolvierter Reha seit Anfang Mai beschäftigungslos. Martin Hoffmann hat ein Haus in Gommern.

Trainer Heinz Krügel (87+): Der 1921 in Zwickau-Planitz geborene Heinz Krügel war von 1966 bis 1976 Trainer des DDR-Oberligisten 1. FC Magdeburg. In die erfolgreichste Zeit des Vereins fielen drei DDR-Meisterschaften, zwei Pokalsiege und der Gewinn des Europapokals. 1976 wurde Heinz Krügel auf Betreiben der DDR-Sportführung unter fadenscheinigen Gründen abgelöst, erst nach der Wende rehabilitiert. Heinz Krügel verstarb am 27. Oktober 2008 87-jährig in Magdeburg.

Weiterhin gehörten zum Final-Aufgebot des 1. FCM:

Bernd Dorendorf (53): 1953 in der Altmark geboren, rückte der Torwart kurzfristig für den erkrankten zweiten Torhüter Hans-Werner Heine (48/1999 verstorben) in das Aufgebot. Dorendorf verstarb 53-jährig im April 2007.

Siegmund Mewes (63): Der gebürtige Magdeburger bestritt fast 300 Punktspiele und 40 EC-Spiele für den FCM, war auch als Trainer tätig. Siegmund Mewes wohnt in Magdeburg und arbeitet als Reha-Sportlehrer im Berufsförderungswerk Sachsen-Anhalt in Staßfurt.

Jörg Ohm (70): Der Haldensleber, auch viele Jahre in Stendal aktiv, lebt als Rentner in seiner Geburtsstadt.

Hans-Jürgen Hermann (64): Der Altmärker, früher Stürmer, lebt in Hermsdorf bei Magdeburg.

Klaus Decker (62): Der gebürtige Salzwedler fehlte im Finale aufgrund einer Gelbsperre. Der frühere Verteidiger lebt in Magdeburg, ist als Geschäftsführer des Fußballverbandes Sachsen-Anhalt tätig.

 

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