Magdeburg l Als die Otto Baskets im März von der "Jungen Liga" mitten im Abstiegskampf zwei Punkte abgezogen bekamen, taten dies die Magdeburger Verantwortlichen als bedauerlichen Betriebsunfall ab. Neben dem sportlichen Rückschlag wurden mit der Strafe durch den Verband wegen nicht bezahlter Lizenzierungsgebühren aber auch erstmals die schon lange vermuteten finanziellen Schwierigkeiten beim Liga-Neuling öffentlich. Grund für den Punktabzug waren Verbindlichkeiten gegenüber der 2. Basketball-Bundesliga.

Nach den der Volksstimme vorliegenden Informationen - betriebswirtschaftliche Auswertungen, Gläubiger-Listen, Darlehensverträge, Lizenzbescheid - hat der Verein deutlich über seine Verhältnisse gelebt. Ende Mai lag das Defizit bei 378 788,34 Euro. Einnahmen von 417 022,77Euro standen Ausgaben von 795 811,11 Euro gegenüber. Allein die Personalkosten für die mit ausländischen Profis aus dem Boden gestampfte Mannschaft lagen bei über 300 000 Euro.

Zahlreiche Gläubiger warten seit Wochen und Monaten auf Zahlungen. Größter Posten mit rund 65 000 Euro ist die Miete für das in der Gieseler-Halle zu den Heimspielen jeweils ausgelegte Parkett. Die Firma Haro-Sports hat die Zahlungsrückstände der Ottos Baskets in der Vorwoche bestätigt, ist aber "zuversichtlich, eine friedliche Lösung zu finden", sagte Verkaufsleiter Harald Jung.

Andere Gläubiger der Otto Baskets haben inzwischen die Geduld verloren. "So geht man nicht mit Partnern und Sponsoren um. Ich habe meinen Anwalt beauftragt, einen Mahnbescheid gegen den Verein zu veranlassen", erklärte Christian Engelhardt. Über sein Reisebüro Cactus wurden die Flüge der US-Amerikaner abgewickelt, er wartet knapp zwei Monate nach Saisonende laut Liste auf über 8000 Euro. Michael Feuerböther, Inhaber von Sport 2000 Magdeburg, ist schon weiter und trifft sich am 30. Juni mit den BBC-Vertretern vor Gericht, um seine Außenstände einzuklagen.

Einen Teil des Fehlbetrages in der Bilanz haben die Otto Baskets durch Darlehen eines Magdeburger Unternehmers aufbringen können. Er hat dem Verein rund 200 000 Euro zu einem Zinssatz von 6 Prozent als Kredit zur Verfügung gestellt. Die Präsidiums-Mitglieder Kristian Tolk, Peter Bogel und Achim Großmann haben hierzu teilweise persönlich die Haftung übernommen.

Obwohl der Verband die Zahlen offenbar kennt und in seinem Lizenzentscheid 2014/15 von einer "Insolvenzgefahr" spricht, erteilte deren Geschäftsführer Daniel Müller mit Schreiben vom 14. Mai die Lizenz für die 2. Bundesliga Pro B, in deren Nord-Staffel der Verein eingeteilt wurde. Und obwohl der Verein künftig faktisch damit in der 3. Liga spielt und das erste Bundesliga-Jahr laut Bescheid mit einem "erheblichen Fehlbetrag" abschließen wird, fordert der Verband von den Otto Baskets für die Saison 2014/15 einen Gewinn von 100 000 Euro. Wie das möglich sein soll, sagt "Die Junge Liga" nicht.

"Niemand muss sich Sorgen machen", sagte Kristian Tolk am Montag. Der BBC-Präsident räumte Versäumnisse ein, die hauptsächlich der großen ehrenamtlichen Arbeit im Verein geschuldet gewesen seien. Mit der Einstellung des neuen Geschäftsführers Toni Kohlmeyer (Volksstimme berichtete) würden "die Themen jetzt schrittweise abgearbeitet" und soll die Vermarktung systematisiert werden. Tolk bestätigte einen Verlust zum Abschluss des Spieljahres, von Insolvenzgefahr könne indes keine Rede sein. Vielmehr machten bestimmte Kreise mit den kursierenden Zahlen aktiv Politik. In der neuen Saison wollen die Otto Baskets in der 2. Bundesliga Pro B, Staffel Nord, wie geplant antreten. Tolk: "Definitiv."

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