Berlin/Magdeburg l Franziska Hentke schwimmt seit 17 Jahren für ihre Medaillenträume aus Gold, sie hat in dieser Zeit bereits an drei Europameisterschaften auf der langen Bahn teilgenommen. Sie ist Neunte in Eindhoven (2008), Sechste in Budapest (2010) und Fünfte in Debrecen (2012) geworden. Aber seit zwei Jahren, seitdem sie von Bernd Berkhahn beim SCM trainiert wird, ist alles anders.

Erst lehrte Berkhahn seinen Schützling, zur Seite zu atmen, was sie selbst beim Blick vom Planeten Pluto im Becken identifiziert. Jetzt lehrt Berkhahn die 25-Jährige, ihre Wende seitwärts zu schwimmen, womit sie noch weniger Zeit verlieren soll. "Das sind gleich fünf, sechs Dinge, die ich mir merken muss", erklärte Hentke zum neuen Bewegungsablauf auf ihrer Paradedistanz, den 200 Metern Schmetterling. Zuvor war sie immer den Weg des größten Widerstandes gegangen - sie kehrte vom Anschlag auf dem Rücken in die Bahn zurück.

Den Widerstand gibt es nun nicht mehr, und wenn alle neuen Automatismen greifen, wird sie ihrem Ziel näher kommen: "Ich möchte eine Medaille in Berlin gewinnen", sagte sie bereits vor Monaten und betonte dies auch am Freitag. "Die Wende wird immer besser", erklärte sie, "und ich habe in den vergangenen Wochen ein besseres Gefühl bekommen, richtig schnell zu schwimmen." Schon im Trainingslager des Deutschen Schwimmverbandes (DSV) auf Sardinien, bestätigte ihr Trainer. "Die Wende ist technisch noch nicht optimal, aber ihre Kraftwerte und Abstöße passen sehr gut", so Berkhahn. Die Mängel der Technik kann Hentke also gegebenenfalls mit Kraft kompensieren. Es finden sich viele Beispiele von Sportlern, die dank dieser Fähigkeit Olympiasieger wurden. Und vor allem mit Blick auf die Sommerspiele in Rio 2016 hat Berkhahn die Änderung vorgenommen.

Am Montag will Franziska Hentke auch schnell schwimmen, aber die 400 Meter Lagen, mit denen sie in die Beckenwettbewerbe startet, stehen nicht in ihrem Fokus. "Das ist für sie eine Vorbelastung, um die Abläufe kennenzulernen, das Wasser im Velodrom zu fühlen", erklärte der Coach. Hentke ist auf der Lagen-Distanz mit ihrer Bestzeit von 4:44,14 Minuten auf Rang 20 geführt in der europäischen Jahresrangliste. Über 200 Meter Schmetterling steht sie mit ihrer ebenfalls in diesem Jahr erzielten Bestzeit von 2:07,67 Minuten auf Platz vier.

Johanna Friedrich findet sich im Unterpunkt 400 Meter Freistil wieder, sie ist dort als 20. mit 4:10,49 Minuten (Bestzeit) notiert. Für Friedrich ist es bereits ein Erfolg, überhaupt diese EM erreicht zu haben nach ihrer Fraktur im rechten Ellenbogen. Auf Sardinien hatte die deutsche Meisterin die DSV-Norm unterboten und war als 28. Beckenschwimmer von Bundestrainer Henning Lambertz nachnominiert worden. "Ich werde die Lauteste am Pool sein", blickte sie zunächst auf ihre Rolle als Edelfan des DSV-Teams voraus. "Ich freue mich einfach, ein Teil dieser Mannschaft zu sein."

Wie Hentke über 200 Meter Schmetterling hat die 19-Jährige erst am letzten EM-Tag (24. August) über 400 Meter Freistil ihren Auftritt. "Ich setze mich nicht unter Druck, aber ich will mich auch nicht auf dem Erfolg ausruhen, dabeizusein. Ich werde mein Bestes geben." Genau das erwartet auch ihr Trainer: "Nach all den Umständen im Vorfeld wäre ich sehr zufrieden, wenn sie 4:12 Minuten schwimmen kann", sagte Berkhahn. "Sie soll sich einfach gut verkaufen."

Insgeheim mögen sich beide mehr erhoffen: Vielleicht geht es noch schneller, und vielleicht reicht es für das Finale. Im ersten der beiden Norm-Rennen auf Sardinien jedenfalls "war sie mit 2:04 Minuten auf den ersten 200 Metern schneller als bei den deutschen Meisterschaften", als sie Gold in Bestzeit gewann, berichtete Berkhahn.

Friedrich selbst brauche zunächst aber "den besonderen Kick", sagte sie. Den zu finden, dürfte ihr aus zwei Gründen eigentlich nicht schwer fallen: Zum einen ist das Velodrom am 24. August ausverkauft. Zum anderen ist es ihre EM-Premiere auf der langen Bahn. Und träumen ist immer erlaubt.

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