Magdeburg l Vor seiner Ankunft in Magdeburg hat Chris Frazier nie den Ostteil Deutschlands gesehen, er war nicht mal in Berlin gewesen. Von Mannheim nach Dubuque im US-Bundesstaat Iowa verlief in groben Zügen die bisherige Reiseroute durch sein Leben. Und dann kam er im September an die Elbe und war "im ersten Moment ein bisschen schockiert", sagt Frazier, weil er in baulicher Hinsicht viel Altes sah, aber viel Neues gewohnt ist.

Mit den Otto Baskets Magdeburg ist Frazier am vergangenen Sonnabend allerdings zu neuen Ufern aufgebrochen: Zum Saisonauftakt der 2. Bundesliga Pro B gewann das Team bei Baskets Akademie in Oldenburg mit 57:46. Um den Sieg zu beschreiben, hält er es mit seinem Kapitän Phil Stachula, der die Partie so resümiert hatte: "Es war ein dreckiger Sieg." Dass die "Ottos" es "viel, viel besser können", so Frazier, wollen sie im ersten Heimspiel gegen Seawolves Rostock am Sonntag in der Gieselerhalle (16 Uhr) zeigen. In einem Monument der Otto-Stadt also: "Magdeburg ist eine echte Sportstadt, das ist cool." Frazier hat inzwischen sein Gefallen an der Elb-Metropole gefunden.

Und Frazier ist nun Teil der Sportstadt, er hat sich in Oldenburg als die erhoffte Verstärkung in Sachen Dreier herausgestellt. Dafür hatte er sich qualifiziert mit einem Bewerbungsvideo, das er von sich gedreht hatte in Dubuque. Die letzten sechs Punkte zum Sieg erzielte er eben aus der Distanz: "Ich habe grünes Licht vom Trainer, wenn ich weiß, dass es ein guter Wurf wird", berichtet er über die Absprache mit Coach Dimitris Polychroniadis. Seine Dreier-Qualität soll die Baskets in die Play-offs tragen - so lautet das Saisonziel.

In seinen vier Jahren in Dubuque spielte er in der NCAA, der College-League. Dabei hatte er gar nicht vor, Basketball professionell zu betreiben: "Ich wollte einfach arbeiten gehen nach der Schule." Ein Freund überzeugte ihn vom anderen Weg. Frazier, der 1,82 Meter große Point Guard, besuchte als Sohn eines US-Soldaten und einer Deutschen die Highschool in seiner Geburtsstadt Mannheim, Basketball trainierte er in Heidelberg. Und da viele Schüler jener Schule nach Dubuque wechselten, ließ er sich letztlich mitziehen.

Nun aber ist er in Magdeburg, er ist der Dreier-Spezialist, wie er in der vergangenen Abstiegssaison in der Pro A schmerzlich vermisst wurde. "Wir wollen besser sein", sagt Frazier deshalb, "und nicht nur darüber reden, sondern es auch tun."