Magdeburg/Kiel l Dass ihm diese Niederlage an die Nieren gegangen war, war Geir Sveinsson am späten Mittwochabend anzusehen. Fast kampflos fügte sich der SCM beim Rekordmeister Kiel in die Niederlage. Mit aschfahlem Gesicht saß der Trainer im Presseraum der Kieler Sparkassenarena. Verschwunden die charismatischen Lachfalten des Isländers, stattdessen stand ein imaginäres Fragezeichen auf der Stirn: "In Kiel kann man verlieren, aber nicht mit zwölf Toren. Ich habe viele Gedanken im Kopf, und es ist schwer für mich, etwas zu sagen."

Trotzdem versuchte der ratlos wirkende Coach zu erklären, was eigentlich nicht zu erklären war. "Das war ein ganz schlechtes Spiel. Wir hatten vor allem vorne Probleme. Wir haben viel verschossen, zu viele Konter eingefangen. Das ist alles schwer zu verstehen." Zwar hätten beide Torhüter nicht gut gehalten, dafür der Kieler Johan Sjöstrand umso besser. "Aber an den Torleuten hat es nicht allein gelegen. Es sieht so aus, dass wir nicht bereit waren, dieses Spiel zu spielen", befand Sveinsson und zeigte sich vor allem von der Einstellung seiner in Bestbesetzung aufgelaufenen Mannschaft enttäuscht. Die hatte sich nach einem nervösen Beginn auf 6:7 herangekämpft (16.), aber auch danach nie zu ihrem Spiel gefunden. Schon nach einer Viertelstunde, so hatten es zumindest die beiden Berichterstatter der "Kieler Nachrichten" gesehen, "gab der Tabellenfünfte gegen die starken Zebras auf".

Spätestens in der zweiten Halbzeit musste auch der dem SCM zugeneigte Zuschauer von einer kampflosen Aufgabe sprechen. Aus dem vermeintlichen Angstgegner des THW war ein Angsthasengegner geworden. Die vom Kieler Abwehr-Bollwerk im Angriff völlig verunsichert und konzeptlos agierenden Magdeburger servierten dem Meister die Konterchancen auf dem Silbertablett. Elf Tore im Tempogegenstoß hatte THW-Trainer Alfred Gislason gezählt. Freudestrahlend erklärte der Ex-Trainer des SCM in der Pressekonferenz: "Wir hatten eine Super-Abwehr und einen sehr starken Sjöstrand im Tor. Auch vorne haben wir gut gespielt. Aber wir waren auch hochmotiviert, nachdem wir in der Vorsaison gegen Magdeburg nur einen Punkt holen konnten." Auch Kiels erfolgreichster Torschütze, Eckberg (8), war von der geschlossenen Mannschaftsleistung begeistert und drückte dem Kantersieg des Rekordmeisters gar den Stempel "bestes Saisonspiel überhaupt" auf.

Zur Negativ-Variante würde Fabian van Olphen sicher greifen - hätte er nicht mit Blick auf das Heimspiel am Sonntag andere Sorgen. Der Kapitän musste wegen muskulärer Probleme am Oberschenkelansatz in der zweiten Hälfte raus. Dennoch hofft der Abwehrchef, gegen Melsungen auflaufen zu können.