Magdeburg l "Ich bin schüchtern, aber ich arbeite dran." Michael Müller, Canadierfahrer beim SCM, kann offensichtlich nichts aus der Ruhe bringen. Selbst sein Trainer Eckhard Leue bestätigt seinem Schützling, den er seit sieben Jahren unter seinen Fittichen hat, "Introvertiertheit, Ruhe, aber auch Beständigkeit im Training".

Der 21-Jährige hat in der Kanu-Saison 2014, seinem ersten Startjahr in der Eliteklasse, bereits einiges erreicht (jeweils 5. Plätze im Vierer bei WM und EM, Bronze bei der U-23-EM im Einer). Trotzdem ist der ehemalige Kajak-Fahrer, der bei SCM-Trainer Wolfgang Duda seine ersten Paddelschläge machte, nicht ganz zufrieden. Er hatte sich einen schnelleren "Durchbruch" in die Weltspitze gewünscht.

Noch nicht vergessen sind die schwärzesten Stunden in der jungen, bis dahin unbeschwerten Sportlerkarriere. Am 16. August 2012 war Müller zum dritten Mal von einem Tester der Nationalen Antidoping-Behörde (NADA) nicht am angegebenen Ort angetroffen worden - was folgte war eine Sperre, die ihm erst 2014 den Wiedereinstieg ins Wettkampfgeschehen erlaubte. Müller erinnert sich: "Ich hatte alles falsch gemacht, was ich falsch machen konnte und vor allem meinen Trainer nicht einbezogen." Doping wurde ihm nicht nachgewiesen. Ein "missed test" gilt jedoch als zu ahndender Regelverstoß. Als erfahrener Trainer und Tröster erwies sich Eckhard Leue: "Michael hat die A...backen zusammengekniffen und sich erfolgreich aus dem Tief herausgearbeitet. Das hätten nur wenige geschafft. Er gehört dazu."

Leue bescheinigt seinem Schützling, der zurzeit mit Top-Kanuten des Deutschen Kanu-Verbandes (DKV) in Florida trainiert, eine "vorbildliche Einstellung". Die ist auch notwendig, denn ab 7.45 Uhr drückt der angehende Industriemechaniker in Frohse die Schulbank. Erst am Nachmittag stehen Trainingseinheiten auf dem Plan. 20 Stunden pro Woche strebt Trainer Leue an. Einen "deutlichen Leistungsschub" versprechen sich Trainer und Sportler von den winterlichen Trainingslagern. Chris Döhring, Vorstands-Vorsitzender bei Getec-Green-Energy, sagte: "Uns ist es wichtig, junge Leute aus dem Land im Land zu halten. Wir erachten es als eine unserer Kernaufgaben, mit Ausbildung und beruflicher Perspektive gute Bedingungen für die Sportler zu schaffen."