Halberstadt l Germanias neuer Coach wird der vierte seit Sommer 2012 im Vorharz sein. Im beschaulichen Halberstadt ist so viel Rotation auf der Trainerbank ungewöhnlich. Unter Präsident Olaf Herbst gilt Bodenständigkeit, Vertrauen und eine langfristige Zusammenarbeit als Grundlage für den Trainerjob. Nach Andreas Petersen, der den VfB fünf Jahre sportlich anführte, hielt es die folgenden Cheftrainer Willi Kronhardt (1. Juli 2012 bis 19. März 2014) und Achim Hollerieth (26. März bis 21. November 2014) nicht so lange in der Domstadt. Das muss jetzt anders werden. "Wir wollen einen Partner haben, der längerfristig bleibt", gibt Olaf Herbst die Richtung vor und hofft gleichzeitig, dass der "Neue" den Erwartungen mehr entspricht, als die unmittelbaren Vorgänger.

Nach den zwei ehemaligen Profis Kronhardt und Hollerieth, dessen Arbeitsweise in Halberstadt offenbar nicht den Vorstellungen der Verantwortlichen entsprach, sucht der Verein augenscheinlich jetzt einen familiären Trainer, womöglich mit "regionalem Stallgeruch"? Präsident Herbst legt darauf weniger Wert, Priorität besitzt der Fußball im Verein. "Wir suchen jemand, der nicht nur die erste Mannschaft im Blick hat. Der neue VfB-Trainer bekommt die Verantwortung für das Paket aus Jugend, zweite Mannschaft und erste Mannschaft." Mit einem durchgehenden Konzept soll künftig die Durchlässigkeit im Verein erhöht werden.

Die fehlende Zusammenarbeit mit den anderen Teams wurde vor allem Kronhardt vorgeworfen, auch unter Hollerieth hat das nicht wie geplant funktioniert. Herbst: "Er muss eingreifen, über den normalen Trainingsbetrieb hinaus. Die Entwicklung unserer Nachwuchsspieler genießt einen hohen Stellenwert, um die sich der neue Übungsleiter kümmern soll." Wichtiges Kriterium für den VfB-Präsidenten ist die interne Kommunikation. "Das Gespräch suchen, in Kontakt mit den jeweiligen Trainern und Betreuern stehen und empfänglich sein für Neues um die Germania."

Die Teamfähigkeit als Anforderungsprofil unterstreicht auch Sportchef Stephan Gra-binski: "Er sollte auf die Leute zugehen, kooperativ handeln und auf die vorhandenen Rahmenbedingungen eingehen." Die Qualifikation genießt hingegen keine oberste Priorität, Herbst: "Am liebsten hätte man einen Fußballlehrer, aber der kostet auch mehr. Schlussendlich ist das nicht das wichtigste Kriterium. Diesbezüglich gibt es kein Ausschlussverfahren."

Als einer der Kandidaten gilt Petrik Sander. Er kennt die Regionalliga sehr gut. In Berlin wohnhaft, hat er bei fünf Hauptstadtteams wöchentlich die Möglichkeit, Spiele vor Ort zu verfolgen. Was sagt der gebürtige Quedlinburger zu einer möglichen Verpflichtung: "Zum jetzigen Zeitpunkt gebe ich keine Wasserstandsmeldung ab."