Magdeburg l Das Bild ist atemberaubend: Eine junge Frau steht im Meer, ihr langes Haar weht goldglänzend durch die warme Luft, Kopf und Oberkörper werden von einem Wasserbogen umrahmt. Im Hintergrund verabschiedet sich die Sonne vom Tag, ein Haus taucht in den Schatten der Abenddämmerung ein. Es ist ein kleines Kunstwerk aus den warmen Farben der Natur und der Bewegung der Protagonistin. Diese heißt Finnia Wunram, porträtiert im April 2014 in Cancun. Und das Bild wird die begrenzte Zeit ihrer Karriere überdauern, obschon die 19-jährige Athletin vom SC Magdeburg ihre Karriere erst vor sich hat.

Dieses Foto auf ihrer Facebook-Seite ist zugleich eine Erinnerung an ihr bestes Weltcup-Ergebnis in der vergangenen Saison. Im Yucatan Channel vor Mexiko und im Kampf gegen hohe und brechende Wellen war Wunram auf den sechsten Rang über die olympischen zehn Kilometer geschwommen.

Vier Monate später schwamm sie nicht gegen hohe und brechende Wellen an, sondern beinahe unter Laborbedingungen und mitten im Berliner Idyll um Top-Ten-Plätze bei der Europameisterschaft. Sie wurde 14. über zehn und Zehnte über fünf Kilometer. "Ich hatte meine Schwierigkeiten", erinnert sich Wunram. Trotzdem resümiert sie: "Ich fand meine Saison 2014 ziemlich gut."

Und die Saison 2015 ist längst gestartet. Ihr Weihnachten bei der Familie in Elmshorn dauerte nur wenige Momente, seit dem 26. Dezember schwimmt sie sich in der Elbehalle warm für die Freiwasser-Wettbewerbe bei der Weltmeisterschaft in Kazan (Russland/25. Juli bis 1. August). Dort will sie die Kazanka, ein Nebenfluss der Wolga, erobern - und sich mit einem Top-Ten-Rang für Olympia 2016 qualifizieren. Wunram: "Das wird das wichtigste Jahr in meiner bisherigen Karriere. Denn in Rio würde ich sehr gerne schwimmen."

Ihr Trainer versucht derweil, alle Voraussetzungen dafür zu schaffen. In diesen Tagen wartet Bernd Berkhahn auf das grüne Licht des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV), dass Wunram im Februar ins Höhentrainingslager nach Sierra Nevada (Spanien) reisen darf. "Das Höhentrainingslager hatte mir im vergangenen Jahr sehr gut getan", sagt Wunram.

Und es gibt einiges zu tun. "Gerade in der Grundschnelligkeit", sagte Berkhahn, "muss sie zulegen, da war sie vor ihrem Ausfall im November weiter." Eine Grippe hatte sogar zu ihrer Absage der deutschen Kurzbahn-Meisterschaft geführt. Derzeit liegt Wunrams 100-Meter-Schnitt im Langstrecken-Training bei 1:11 Minuten: "Sie muss schneller werden", so Berkhahn.

Der Coach hat aber nicht nur eine sportliche Sorge, sondern auch eine finanzielle. Er könnte Wunram am 13. März zum Weltcup nach Abu Dhabi schicken, aber ihren Start in den Emiraten müsste sein Schützling allein finanzieren. Wunram gehört trotz ihrer Leistungen aus 2014 nicht zum Olympia-Team des DSV wie ihr SCM-Teamgefährte Rob Muffels, der entsprechend gefördert wird vom Verband. "1200 bis 1500 Euro kostet der Start für Finnia, das Geld muss ich erst finden", so Berkhahn. Eine Teilnahme wäre wichtig, um sich wenigstens einmal vor der WM-Qualifikation auf der olympischen Distanz eingeschwommen zu haben.

Die Qualifikation beginnt am 2. Mai in Cancun. Dann kehrt Wunram an jenen tropischen Ort zurück, der ihr die schönsten Erinnerungen an 2014 bescherte. Der Kampf wird indes ein neuer sein. Denn zur WM nach Kazan "geht es nur über den Weltcup in Mexiko und in Ungarn", berichtet Wunram. Das zweite Qualifikationsrennen wird am 20. Juni in Balatonfüred ausgetragen. "Und die beiden besten deutschen Starterinnen aus beiden Wettbewerben fahren dann zur WM." Ein Jubelbild wäre jedenfalls auch eine schöne Erinnerung.