Jena l "Alles ist passiert, aber alles ist gut gegangen", fasste SES-Chef Ulf Steinforth bei der Pressekonferenz in der Nacht zum Sonntag den ereignisreichen Abend vor 3000 Zuschauern in der Jenaer Sparkassen-Arena zusammen, nachdem seine zwei Hauptkämpfer sowie die jungen Wilden aus dem "Team Deutschland" den vom MDR live übertragenen Abend (180.000 Zuschauer/ 10 Prozent Marktanteil) zu einer "runden Sache" gemacht hatten.

Christina Hammer war sich durchaus der Schuld bewusst, dass selbst sie für einen "kurzen Herzkasper" ihres Promoters gesorgt hatte. Denn so erwartet wie die WBO-Weltmeisterin im Mittelgewicht Kali Reis aus der USA im Ring beherrschte, so unerwartet hatte der Kampf in der Schlussrunde eine Wende genommen: "Ich habe neun Runden geführt und dann einen Moment nicht aufgepasst. Nach der Rechten ging kurz das Licht aus, zum Glück habe ich mich gleich wieder gefangen. So eine Dummheit darf nicht passieren, aber das ist Boxen", lächelte die 24-jährige Dortmunderin den Schönheitsfleck auf ihrem dennoch hochverdienten Punktsieg (98:91, 98:91, 98:91) weg.

Gar nicht zum Lachen fand die in 18 Kämpfen ungeschlagene SES-Boxerin, dass der Auftritt ihres Teamkollegen Dominic Bösel live übertragen, ihr aufgezeichnetes Duell dagegen noch nach dem von SES-Schwergewichtshoffnung Tom Schwarz (Punktsieg gegen den Tschechen Vaclav Pejsar) gezeigt wurde. "Das ist traurig und eine Schande fürs Frauenboxen. Ich kam mir schon die ganze Woche wie das fünfte Rad am Wagen vor."

In dieser Hinsicht sei sie auch von ihrem Promoter enttäuscht. "Dass meine Leistung so herabgewertet wird, das habe ich nicht verdient. Ich finde, ich habe auch heute wieder einen Top-Kampf geboten und Werbung fürs Frauenboxen gemacht", so die ungekrönte deutsche Box-Königin.

Probleme ganz anderer Art hatte dagegen Bösel bei der Verteidigung seines WBO-Interconti-Titels. Der 25-jährige Halbschwergewichtler bezwang den Polen Norbert Dabrowski zwar einstimmig nach Punkten (117:110, 115:113, 116:111), tat sich dabei aber sichtlich schwer. "Es soll keine Ausrede sein. Aber ich hatte Probleme im rechten Arm. Der Ellenbogen schmerzte seit dem Sparring, aber ich wollte unbedingt vor meinen Fans boxen", erklärte der Freyburger. Auch Trainer Dirk Dzemski gestand: "Die Vorbereitung war grausam und wir sind ein hohes Risiko eingegangen. Das war nicht clever, aber am Ende zählt der Sieg."

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