Halle l Zwei Starts, zwei Siege, zwei Top-Weiten - und das alles innerhalb von 22 Stunden: Das macht Kugelstoß-Gigant David Storl so schnell keiner nach. Der Chemnitzer, der seit dieser Saison für den SC DHfK Leipzig startet, scheint unter Zeitdruck besonders gute Leistungen abzuliefern.

Nachdem er am Freitag beim Diamond-League-Meeting in Doha (Katar) bereits die versammelte Weltelite - darunter die starken US-Boys - mit 21,51 Metern in Schach hielt, setzte er am Sonnabend in Halle noch einmal 21 Zentimeter drauf. Mit der Siegerweite von 21,72 Metern distanzierte der 25-Jährige in Halle nicht nur den Zweitplatzierten (Jacub Szayszkowski aus Polen/19,99) um Längen, sondern er knackte auch den bisherigen Meeting-rekord aus dem Jahr 2011 (Dylan Armstrong/Kanada/21,54).

Wierig hadert mit seinem Schicksal

"Das hat Spaß gemacht, hier war wenigstens Stimmung, nachdem ich in Doha das Gefühl hatte, im leeren Stadion zu stoßen", erklärte Storl nach seinem Kraftakt der besonderen Art. "Solche Tage, wenn\\\'s läuft, kann ich gut nutzen, um die Technik zu stabilisieren. Mir fehlen durch die Knie-Operation im Frühjahr vor allem die Stöße. Dass der Saisonauftakt dennoch so super war, gibt mir viel Selbstbewusstsein." Von der ominösen 22-Meter-Schallmauer will er sich indes nicht unter Druck setzen lassen: "Die 22 Meter werden irgendwann kommen."

Auch der Magdeburger Wierig hatte in Halle eine ganz bestimmte Weite vor Augen: 65 Meter. Die sind gefordert, um bei der Weltmeisterschaft in Peking (China) im August dabei zu sein. Und nachdem der Hüne des SC Magdeburg im vierten Versuch mit 64,76 Metern wie schon eine Woche zuvor in Wiesbaden an der WM-Norm knapp vorbeischrammte, flog der Diskus im fünften Versuch sogar noch darüber hinaus.

Dann aber machte die rote Flagge alle Träume zunichte: Ungültig! "Das ist bitter, meiner Meinung nach habe ich nicht übertreten", haderte Wierig, am Ende Drittplatzierter, mit seinem Schicksal. "Ich hätte die Norm sehr gern abgehakt und meine Ruhe gehabt, um mich technisch zu stabilisieren. So aber hetze ich weiter den 65 Metern hinterher. Das ärgert mich."

David Wrobel auf Rang sechs

Und als ob das nicht reichte, ist Wierigs bisherige Position als Nummer zwei in Deutschland hinter Robert Harting in Gefahr. Christoph Harting, der "kleine Bruder" des Olympiasiegers und Weltmeisters, stahl dem Magdeburger wie schon in Wiesbaden die Show. Der Berliner vertrat den wegen eines Kreuzbandrisses zum Zuschauen verdammten Champion mit Bravour und steigerte seine erst eine Woche alte Weltjahresbestleistung von 67,55 auf nunmehr 67,93 Meter.

Auf einem respektablen sechsten Rang landete der Magdeburger David Wrobel. Der 24-Jährige blieb im zweiten Versuch mit 62,66 Metern nur knapp unter seiner Bestleistung (62,72). "Als Zehnter gemeldet, am Ende Sechster - eigentlich kann ich nicht meckern. Die Serie war sehr stabil, leider fehlte der Ausreißer nach oben", so der Schützling von SCM-Trainer Armin Lemme. "Aber ich bin froh, dass die Umstellung meiner Technik auf den Umsprung langsam Früchte trägt und ich ein Gefühl für die Wettkampfwürfe bekomme." Die Saison sei ja noch jung, und schon am Dienstag im tschechischen Turnov biete sich die nächste Gelegenheit. "Und da läuft es sicher auch für \\\'Wieri\\\' besser. Er hatte einfach Pech."

Bei den Frauen musste sich Nadine Müller (Leipzig) einen Tag nach Platz zwei in Doha (65,13) mit Platz drei und 62,50 Metern begnügen. Julia Fischer (Berlin), Freundin von Robert Harting, siegte mit 63,59 vor Anna Rüh (Neubrandenburg/62,53).

Nadine Kleinert auf der Zuschauertribüne

Eine bemerkenswerte Visitenkarte hinterließ auch der polnische Hammerwurf-Weltmeister Pawel Fajdek mit exzellenten 82,76 Metern. Indes konnte Ex-Weltmeisterin Betty Heidler (Frankfurt) den kurzfristigen Startverzicht von Polens Hammerwurf-Weltrekordlerin Anita Wlodarzcyk nicht nutzen, landete mit 70,46 Metern hinter Liu Tingting (China/71,40) nur auf Platz zwei.

Unter "ferner stießen" musste das Kugelstoßen der Frauen eingeordnet werden. Der Sieg ging bei indiskutablen 17,71 Metern weg (Paulina Guba/Polen). Beste Deutsche in Abwesenheit von Vize-Weltmeisterin Christina Schwanitz war Josephine Terlecki. Die Leipzigerin kam auf 17,43 Meter. "Ich war nah dran, meine Sportklamotten auszupacken", witzelte Ex-Vizeweltmeisterin Nadine Kleinert auf der Zuschauertribüne. Vor zweieinhalb Jahren hatte sie ihre Karriere beendet. "16 Meter traue ich mir jetzt auch noch zu - ohne Warmzumachen", sagte die 39-Jährige, die inzwischen den Nachwuchs trainiert und in Halle jahrelang den Ton angab - ihre Siegerweite aus dem Jahr 2012: 19,55 Meter.