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Biathlon Die 25-Jährige aus Köthen erreicht in drei Weltcup-Rennen zwei Top-15-Plätze / Nach Weihnachten zur Lena-Abschiedsparty auf Schalke WM-Ticket gelöst - Franziska Hildebrand bezwingt das Unglück

Von Daniel Hübner 20.12.2012, 02:31

Köthen/Ruhpolding l Das Ticket für die Biathlon-Weltmeisterschaft vom 7. bis 17. Februar in Nove Mesto (Tschechien) hat Franziska Hildebrand aus Köthen schon gelöst. Sie sagt: "Dass ich mich bereits qualifiziert habe, hat vieles ein Stück weit leichter gemacht. Ich bin froh, dass es gleich so gut funktioniert hat." Deshalb ist jetzt auch Schluss mit Unglück - kein Verlaufen, keine Stürze mehr. All das ist in den vergangenen Wochen nämlich auch passiert.

Wer hat zum Beispiel nicht mitgelitten, als Franziska Hildebrand bei der Verfolgung am vergangenen Sonnabend in Pokljuka (Slowenien) zum dritten Schießen kam, der Schnee hatte sich an ihrer roten Mütze festgebacken. Sie war zuvor gestürzt. Sie schoss einmal daneben. Sie kämpfte weiter, sie wollte unter die ersten 25 kommen, um am nächsten Tag für den Massenstart berechtigt zu sein, wenn also insgesamt nur 30 Athletinnen zum Kampf Frau gegen Frau antreten. "Das ist immer was Besonderes, und ich wusste, ich bin gut drauf", sagt die 25-Jährige. Aber sie stürzte noch einmal. Sie konstatierte einen Skibruch. Sie rannte zu Fuß weiter. Sie suchte nach Ersatz. Die Zeit lief gegen sie. Die Letzte im Feld fuhr an ihr vorbei, mitten im Wald von Pokljuka. Da wusste Franziska Hildebrand längst, dass es mit dem Massenstart nichts mehr wird. "Das hat mich geärgert, das war mein großes Ziel. Aber ich bin auch froh, dass mir und dem Gewehr nichts passiert ist."

Unglück hatte sie schon beim Weltcup-Auftakt in Östersund begleitet. Da war sie im Sprint-Wettbewerb aus der richtigen Loipe gerutscht und auf eine falsche Strecke geraten. Sie erzählt das so leise, dass man eine Ahnung davon bekommt, wie wenig erfreut die Verantwortlichen des Deutschen Skiverbandes über das Missgeschick waren - und Franziska Hildebrand selbst noch viel weniger. Der zweite Weltcup in Hochfilzen fand dann ohne sie statt, sie trainierte in Ruhpolding. Sie sagt: "Ich hatte schon so viel Unglück, damit muss jetzt mal genug sein." Es klingt wie eine Forderung an den lieben Biathlon-Gott.

Eigentlich hat sie ja das Unglück bezwungen, es konnte ihr das WM-Ticket nicht mehr nehmen. 14. im Einzel von Östersund, 13. im Sprint von Pokljuka: Die geforderten zwei Top-15-Platzierungen hat sie geschafft, sie ist in Nove Mesto dabei. In welcher Disziplin auch immer. "Die WM ist noch Zukunftsmusik", sagt sie.

Als nächstes startet sie auf Schalke, am 29. Dezember bestreitet sie das Hauptrennen bei der Abschiedsparty der bisherigen deutschen Vorzeige-Biathletin Magdalena Neuner. "Da freue ich mich sehr drauf", sagt Franziska Hildebrand und schwärmt noch ein bisschen über das Stadion in Gelsenkirchen. Dann kommen die Weltcups in Oberhof und Ruhpolding, gleich in den ersten beiden Januar-Wochen. Was gibt es noch zu tun? "Mir fehlt noch ein bisschen Spritzigkeit und Wettkampfhärte." Über Weihnachten wird sie sich in Köthen in der Familie, bei Kartoffelsalat und Würstchen, beides nicht holen. Sicher aber ein bisschen Ruhe und ein paar glückliche Momente mehr.