Z: Magdeburg ZS: MD PZ: Magdeburg PZS: MD Prio: höchste Priorität IssueDate: 16.02.2010 23:00:00
Aljona Savchenko weinte bitterlich in den Katakomben des Pacific Coliseum, doch ihr Trainer Ingo Steuer dachte gar nicht daran, das verheulte blonde Häufchen Elend zu trösten. Er setzte seine ganz persönlichen Prioritäten. "Das Gold ist weg, alles andere ist egal", brach es aus dem Coach heraus, und es klang, als hätte ihn sein Weltmeisterpaar bis auf die Knochen blamiert.

Die Bronzemedaille in der Paarlauf-Entscheidung für die gebürtige Ukrainerin und ihren Partner Robin Szolkowy - dies wollte Steuer gar nicht verbergen - kam für den extrem ehrgeizigen Coach einer Katastrophe gleich. Eiskalt lamentierte der 43-Jährige: "Das ist so traurig, dass man das, was auf dem Tablett liegt, nicht genommen hat. Wir hätten es einfach machen müssen."

Steuer sah sich um die Früchte seiner jahrelangen Arbeit gebracht und hatte den Sündenbock schnell ausgemacht. "Mit dem Doppelaxel hätten wir gewonnen", analysierte der Ex-Weltmeister das für ihn so frustrierende Ergebnis und schob damit nicht zum ersten Mal Szolkowy den Schwarzen Peter zu. Der 30-Jährige war zwar bei diesem Sprung gestürzt, doch auch seine Partnerin blieb beileibe nicht ohne Patzer, dies allerdings war Steuer keine Erwähnung wert.

Anders als in den Vorjahren konnten die Chemnitzer dem Leistungsdruck nicht standhalten, die Konkurrenz aus China erwies sich als nervenstärker. Im vierten Anlauf holten sich die Ex-Weltmeister Shen Xue/Zhao Hongbo (216, 57 Punkte) vor ihren Landsleuten Pang Qing/Tong Jian (213,31) die ersehnte Goldmedaille, Savchenko/Szolkowy sammelten 210,60 Zähler.

Die ungewohnt hohe Fehlerquote, die die beiden Sachsen schon den ganzen Winter begleitet hatte, wurde ihnen auch in Kanada zum Verhängnis. Die Goldmedaillengewinner hingegen wackelten nur leicht bei einer Hebung, präsentierten den 11 350 Zuschauern ansonsten aber ein nahezu makelloses Programm.

Seinen ganz privaten Traum will das Ehepaar aus Harbin nun in einer anderen Disziplin in die Tat umsetzen. "Jetzt ist es Zeit, ein Baby zu bekommen", sagte Zhao Hongbo, schon 36 Jahre alt, und zwinkerte dabei seiner Gattin zu. Immerhin noch sechs Jahre jünger ist Szolkowy, doch dass ihn sein Trainer in aller Öffentlichkeit an den Pranger gestellt hatte, könnte seine Rücktrittsplanspiele entscheidend befeuern.

"Natürlich möchte ich mit Robin weiterlaufen", betonte Savchenko. "Der Traum von Olym-piagold bleibt", so die begnadete Paarläuferin, die seit einiger Zeit ihren Partner bekniet, noch nicht Schluss zu machen. Doch der hielt sich bedeckt. "Der Druck, den man sich selbst macht während der langen Vorbereitung auf Olympia, war vielleicht zu viel für mich."

Aber auch Trainer Steuer wird sich fragen müssen, ob er seinen Läufern nicht zu viel zugemutet hat. Schon die Idee der Kürmusik des von André Rieu umgewandelten Fußball-Songs "You’ll never walk alone" ging zum Saisonbeginn in die Hose. Steuer wollte etwas so Besonderes kreieren, wie es die legendären Eistänzer Jayne Torvill/Christopher Dean 1984 bei ihrem Olympiasieg mit dem unvergessenen "Bolero" geschafft haben. Doch damit hat er sich übernommen. Statt zur exzellenten Vorjahreskür "Schindlers Liste" zurückzukehren, mussten Savchenko/Szolkowy auf die Schnelle umlernen. Doch der Coach betonte weiter in jedem Interview, dass nur Gold zähle. "Es war brutal schwer", gab Savchenko zu.