Revolte im Schauspielhaus! Der Theaterjugendclub Magdeburg reckt in seiner neuen Produktion "Die Gesellschaft kotzt dich aus" die Fäuste gegen System und Konsum. Stefan Prochnow führte Regie in einem Stück, das mit sinnigem Text, originellen Ideen und mit der Spielfreude der jungen Darsteller das Premierenpublikum am Wochenende begeisterte.

Altstadt. Das Stück lässt seine Zuschauer nicht gemütlich im Sessel sitzen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Blendendes Licht wird ab und zu schonungslos auf sie gerichtet. Es wird ordentlich ausgeteilt – gegen die Menschen und ihre Stumpfheit. "Wie sie nur plump vor sich hinleben. Und in keinster Weise die Missstände, die heute existieren, hinterfragen, geschweige denn, sie als solche erkennen."

Eine Gruppe Jugendlicher will das nicht länger aushalten und protestiert. Schluss mit Zwängen, die Eltern auferlegen, gegen Leistungsdruck und Konsumgeilheit! Ab jetzt wird alles anders. "Die überlegene Macht der Gesellschaft ist durch jeden von uns zu bekämpfen." Die jungen Revolutionäre werfen Berge von Papiergeld, das die Bühne bepflastert, durch die Luft und ins Publikum.

Es gelingt Anna Hoffmeister, Rebecca Ahlers, Daniel Kuhlemann, Vivien Peters und Riekje Isberner die fiebrige Entschlossenheit der Aussteiger und deren Fanatismus, der letztlich zu Morden führt, nahezubringen.

Doch Revolution, Mord und Totschlag lassen sich fürs Publikum gut verdauen. Denn komische Elemente lockern immer wieder auf.

Da sind die beiden lustig-bösen Clowns (Claudia Wesely und Emely Hoppe), die kommentierend und führend eingreifen. Szenenapplaus bekommen Carolin Mertens, Mira Czogalla und Leona Reibold, verkörpern sie doch herrlich verdreht die "Ängste" der Menschen und amüsieren mit ihrem Lied "Ängste haben’´s eben nicht leicht".

Die Zwischenansagen des Horus (Franziska Stuchlik) und die Auftritte des "Deutschen" (Ernst Richard Dobbert) komplettieren das durchdachte Stückkonzept, das in der Erkenntnis endet: "Ihr könnt die Verhältnisse ändern, aber der Mensch bleibt gleich."

Nächste Aufführung: 3. März 2011, 19.30 Uhr, Schauspielhaus.