Seit fünf Jahren gibt es im Kannenstieg einen Hausbesuchsdienst für Senioren. "Wir wollen, dass ältere Menschen, die allein zu Hause leben und durch Krankheit die Wohnung nicht verlassen können, regelmäßig Besuch bekommen, um nicht zu vereinsamen", sagt Sozialpädagogin Steffi Albers vom Alten- und Service-Zentrum (ASZ).

Kannenstieg (rri). Immer wieder schaut Inge Schaller auf die Uhr. Es ist kurz vor 10 Uhr, gleich muss sie kommen! Inge Schaller freut sich auf die angekündigte Besucherin. Prompt klingelt es an der Tür. Bärbel Supplieth tritt ein und bringt diesmal sogar einen kleinen Frühlingsgruß mit.

Die beiden Seniorinnen aus Nord kennen sich nun schon drei Jahre lang. Während die eine aufgrund einer schweren Erkrankung kaum noch ihre Wohnung verlassen kann, bringt die andere einmal in der Woche einen Lichtblick in den Alltag der Pflegebedürftigen.

Ein Pflegedienst kommt täglich und versorgt die alte Dame pflegerisch und im Haushalt. Auch ihre Tochter kümmert sich liebevoll um ihre Mutti, versichert Inge Schaller: "Sie ist immer für mich da, wenn Hilfe gebraucht wird." Aber wenn sich das Leben eines Menschen nur noch in den eigenen vier Wänden abspielt, zählt jedes Gespräch, jede Ablenkung doppelt.

Bärbel Supplieth gehört seit 2007 zum ehrenamtlichen Hausbesuchsdienst des Alten- und Service- Zentrums des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes. Ins Leben gerufen wurde dieses kostenfreie Angebot 2006 von Sozialpädagogin Steffi Albers. Sie sagt: "Dank des Engagements freiwilliger Seniorinnen ist dieser Service möglich – sie schenken Zeit zum Zuhören, Vorlesen, Reden über Gott und die Welt, zum Diskutieren über alltägliche und außergewöhnliche Themen, über Krankheit, Schmerz, Enttäuschungen, aber auch erlebte Freude, und bieten damit Lebenshilfe."

Der Kaffee duftet und die beiden Seniorinnen machen es sich auf dem Sofa bequem. Stolz zeigt Inge Schaller ihrer Besucherin einen Brief, den sie aus Frankreich erhalten hat. Sie pflegt Brieffreundschaften in Deutschland, Frankreich und Italien.

Auch wenn sie keine Reisen mehr selbst unternehmen kann, so sind die Berichte der Brieffreundinnen eine gute Basis für Tagträume erzählt Inge Schaller. Mit entsprechender Musik unterlegt, kann man sich schon leicht an den italienischen Strand versetzen ...

"Alter bedeutet häufig Vereinsamung, wenn etwa nach Jahren gemeinsamen Lebens die Partnerin oder der Partner verstorben ist, wenn die Familie verstreut lebt und die Freundschaften vergangener Jahre nur noch Erinnerung sind", schildert Steffi Albers. "Hinzu kommen altersbedingte und gesundheitliche Einschränkungen." Probleme, die in einer alternden Gesellschaft immer mehr Menschen betreffen. Deshalb führt der Hausbesuchsdienst freiwillige Helfer mit Herz mit älteren Menschen im Stadtgebiet zusammen – "zum Gewinn für beide Seiten", sagt Steffi Albers.

Bei Inge Schaller und Bärbel Supplieth sind schnell zwei Stunden vergangen. Es wird Zeit zum Abschied. "Ich muss sagen, wir muntern uns gegenseitig auf", sagt Bärbel Supplieth. "Mir geben die Besuche das Gefühl, dass ein Mensch glücklicher ist, einfach weil ich da war." Nächste Woche will Bärbel Supplieth wiederkommen. "Versprochen!"