Wolfgang Sandhowe ist seit gestern neuer Cheftrainer des Fußball-Regionalligisten 1. FC Magdeburg. Aufsichtsrat und Präsidium reagierten damit auf die sportliche Talfahrt und bestimmten den 57-Jährigen bei einem Krisengipfel am späten Mittwochabend zum Nachfolger von Ruud Kaiser (50).

Magdeburg. Noch am Mittwochabend nach dem Krisengipfel war Sandhowe informiert worden, gestern Vormittag leitete der bisherige Coach der U 23 des FCM bereits das erste Training. Zuvor hatten mit Peter Fechner und Volker Rehboldt der künftige und der scheidende Präsident das Team in der MDCC-Arena informiert.

In einer Pressemitteilung hieß es dazu: "Die Gremien des 1. FC Magdeburg sind nach intensiver Beratung zu der Übereinkunft gekommen, Ruud Kaiser von seinen bisherigen Aufgaben als Sportlicher Leiter und Trainer der Regionalligamannschaft mit sofortiger Wirkung freizustellen. In Abstimmung mit Peter Fechner haben Präsidium und Aufsichtsrat Wolfgang Sandhowe die Verantwortung des Cheftrainers für die kommenden Aufgaben in der Regionalliga und im Landespokal anvertraut."

"Es gibt nur ein Ziel, und das heißt Klassenerhalt. Dafür müssen wir als Gemeinschaft auftreten und alle Kräfte bündeln", betonte Sandhowe und erläuterte, auf welche Tugenden er Wert legt: "Emotionalität, Leidenschaft und Aggressivität sind für mich wichtig. So wollen wir zeigen, dass wir eine intakte Mannschaft sind und mit schnellem Spiel nach vorn den Weg aus der Krise finden." Der gebürtige Münsterländer ("Mir ist vor der schwierigen Aufgabe nicht bange. Ich bin mit Maloche groß geworden") sieht es als Vorteil an, dass er die Mannschaft recht gut kennt und ihr zutraut, da unten rauszukommen.

Dass das verdammt schwer wird, darüber sind sich alle Beteiligten einig. Schon morgen (13.30 Uhr, Jahnsportpark) wartet mit Hertha BSC II, zuletzt überraschend 2:0 gegen Spitzenreiter Chemnitz erfolgreich, der nächste harte Brocken.

Von den Spielern kommentierte Vize-Kapitän Stephan Neumann den Trainerwechsel wie folgt: "Ob es richtig war, sich von Ruud Kaiser zu trennen, möchte ich nicht beurteilen, aber aufgrund der jüngsten Ergebnisse musste sicherlich etwas passieren. Wolfgang Sandhowe ist jedenfalls ein komplett anderer Typ."

Apropos Kaiser: Der Holländer soll, wie Fechner deutlich machte, weiter für den FCM arbeiten: "Wir werden ihm anbieten, eine andere Tätigkeit, die allerdings nichts mit der ersten Mannschaft zu tun hat, zu übernehmen. Er verfügt ohne Zweifel über Qualitäten, die wir weiter nutzen möchten. Was ihm fehlte, war der Erfolg." Co-Trainer soll laut Fechner Mario Middendorf bleiben. Eine Entscheidung, wer künftig die zweite Mannschaft betreut, sei dagegen noch nicht gefallen. Fechner: "Es wird aber auf alle Fälle auf eine interne Lösung hinauslaufen."

Nach Volksstimme-Informationen ging es am Mittwoch aber nicht nur um die Personalie Kaiser, sondern auch um die prekäre wirtschaftliche Lage. Das größte Loch in der Kasse haben die stark rückläufigen Zuschauerzahlen hinterlassen. Es sieht aber so aus, als könne der Verein abermals die Probleme lösen und all seinen finanziellen Verpflichtungen nachkommen.

Was den sportlichen Part anbetrifft, so hofft Fechner, dass es Sandhowe gelingt, für mehr Kontinuität zu sorgen und dass der Trainerwechsel schon in Berlin Früchte trägt. Sein Vertrag gilt zwar vorerst nur bis zum Saison-ende, aber er hat es selber in der Hand, mit guter Arbeit und entsprechenden Erfolgserlebnissen Cheftrainer zu bleiben. So weit will der 57-Jährige aber noch nicht denken: "Was danach ist, steht in den Sternen ..." Meinung