Nach dem Umbau des Hauses der Lehrer zum Katharinenturm packt die Wohnungsbaugesellschaft Magdeburg (Wobau) nun einen zweiten Schandfleck an. Bis Sommer nächsten Jahres soll der Plattenbau in der Regierungsstraße zu einem echten Hingucker werden, in dessen Fassade sich auch die Elbe versteckt.

Altstadt. Der Plattenbau in der Regierungsstraße hatte in den vergangenen Jahren für Schlagzeilen gesorgt. Zum einen war es die Fassade, die ihre beste Zeit längst hinter sich hat. Zum anderen brachten Wobau-Pläne viele Mieter auf die Palme, weil direkt vor dem Plattenbau drei Würfelhäuser platziert werden sollten. Beide Probleme sollen nun in absehbarer Zeit gelöst werden, kündigte Wobau-Geschäftsführer Heinrich Sonsalla gestern auf Volksstimme-Nachfrage an. Erstes Ziel der Wobau ist die Sanierung der Fassade. In einem Wettbewerb hatten rund 15 Architekturbüros Vorschläge unterbreitet, die, so Wobau-Prokurist Konstantinos Apostolopoulos, sehr interessant gewesen seien. Die Wobau habe schließlich fünf Vorschläge ins Finale einziehen lassen und in einer internen Kommission mit dem Baubeigeordneten Dieter Scheidemann, Stadtplaner Heinz-Joachim Olbricht und anderen einen Siegerentwurf ausgewählt. Gewonnen hat der Entwurf des Architekturbüros ARC Architekturkonzept Lauterbach-Oheim-Schaper, das schon bei der Gestaltung des Elbbahnhofs entscheidend mitwirkt. "Wir haben uns für diesen Entwurf entschieden, weil er in Gestaltung und Kosten am meisten überzeugte", so Apostolopoulos. Die Fassade wird deutlich harmonischer. Ein Teil der Balkone wird verbreitert und mit einer geschwungenen Brüstung versehen. Ein anderer Teil verschwindet hinter Glas, das geöffnet werden kann. Durch die unterschiedliche Gestaltung von offenen Balkonen, geschlossenen Loggien und der insgesamt "weicheren" Fassade soll – natürlich mit etwas Fantasie – der Betrachter die nahe Elbe wiedererkennen. Beim zweiten Blick auf den Entwurf ist diese Absicht durchaus zu erkennen. Rund 3,5 Millionen Euro wird das Gesamtvorhaben kosten, das ab Juni/Juli 2011 bis zum Sommer/Herbst 2012 umgesetzt werden soll.

Die 144 Mieter in allen Wohnungen müssen während der Bauzeit mit Belastungen rechnen, aber sie können in ihren Wohnungen verbleiben. In den Wohnungen selbst gebe es bis auf Ausnahmen keinen Bedarf für Sanierungen, so Apostolopoulos. Veränderungen werden sich aber bei der Miete bemerkbar machen. Sie steigt von 4,75 Euro/kalt pro Quadratmeter auf über 5 Euro, kündigte Apostolopoulos weiter an. Das liege im zulässigen Bereich, und nur ein Teil der Sanierungskosten werden umgelegt. Eine einvernehmliche Lösung strebt die Wobau auch für die drei Würfelhäuser an, die auf der Wiese vor dem Häuserblock gebaut werden sollten. Als die Volksstimme darüber berichtet hatte, brach ein Sturm der Entrüstung der Mieter los. Mit neuen Plänen will die Wobau nun einen Kompromiss finden. Wobau-Geschäftsführer Heinrich Sonsalla erklärt: "Die Würfelhäuser sind vom Tisch. Wenn wir dort etwas machen, dann wird es eine Wohnanlage sein, die sich dezent in die Umgebung einpassen und für die angrenzenden Mieter akzeptabel sein wird. Genaue Pläne liegen aber noch nicht vor. Wir wollen erst mal die beiden Projekte Katharinenturm und Regierungsstraße abschließen, bevor wir an dieser Stelle weiterdenken."