Nach christlichem Glauben soll man vor Ostern sieben Wochen fasten und auf Fleisch oder Genussmittel wie Kaffee und Zigaretten verzichten. Um bereits jungen Menschen die Idee des bewussten Verzichts, auch aus nicht-religiösen Gründen, näherzubringen, geht die Drogenberatungsstelle DROBS seit 2006 mit der Aktion "7 Wochen Pause" an Schulen. Gestern war Halbzeit in der Salzmannschule.

Stadtfeld-Ost. Ein lächelndes Gesicht für jeden erfolgreich ohne Sünde verbrachten Tag, ein gerader Mund für kleine Ausrutscher und herunterhängende Mundwinkel für die Niederlage gegen die eigenen Gelüste – so sieht die Bewertung für die Siebtklässler der Salzmannschule aus. Mit den kleinen Gesichtern geben sie sich selbst jeden Tag eine Note.

Auf Initiative der Magdeburger Drogenberatungsstelle DROBS sollen die Jugendlichen so frühzeitig für den bewussten Verzicht auf Genussmittel sensibilisiert werden. "Die Siebtklässler sind mit 13, 14 Jahren im Einstiegsalter für Zigaretten und Alkohol, da wollen wir rechtzeitig aufklären", erklärt Projektleiterin Tina Bierstedt von der DROBS.

Auf den meisten Zetteln der teilnehmenden Schüler sind viele lächelnde Gesichter zu sehen, aber auch einige traurig dreinblickende Köpfe. Auf Fernsehen, Handy, Videospiele und Schokolade und Süßigkeiten allgemein verzichtet der Großteil. Doch was für den einen ein vermeintlich kleines Übel darstellt, ist für den anderen unvorstellbar. Oliver Behrendt könnte es ohne das tägliche Fernsehen nicht so lange aushalten, Patricia Goldmann versucht es dagegen – mit wechselndem Erfolg.

Tim Wieland, der aus seiner Klasse als Einziger den Versuch auf den freiwilligen Verzicht gewagt hat, hält nach eigenen Angaben bislang gut durch. Seine Playstation verstaubt seit Beginn des Projekts in der Ecke. "Ich vermisse sie auch nicht wirklich", sagt er nicht ohne Stolz. Aber nach den sieben Wochen wird er sie wohl auch nicht gänzlich einmotten, fügt er lächelnd hinzu.

Auch ihre Klassenlehrerin, Gabriele Herfurth, schließt sich von der Fastenaktion nicht aus . Mit ihrem Verzicht auf Schokolade versucht sie ihren Schülern ein Vorbild zu sein. Überwiegend gelänge ihr das, aber auch sie muss eingestehen: "Einige kleine Rückfälle hatte ich doch."

"Seit fünf Jahren gehen wir jetzt bereits an Magdeburger Schulen, neben der Salzmannschule sind wir auch an der Comenius-Schule und der Goethe-Sekundarschule", erklärt Tina Bierstedt. Diese liegen in sozialen Brennpunkten und deshalb sei es gerade dort wichtig, frühzeitig Aufklärung zu betreiben. "Ich komme deswegen nicht nur während dieser sieben Wochen hierher, sondern bin im ganzen Schuljahr einmal im Monat in den Klassen, um mit den Schülern über die Gefahren von Suchtmitteln aller Art zu sprechen", beschreibt die DROBS-Mitarbeiterin ihre Aufgabe.

Für die Jugendlichen ist es zunächst nur eine spannende Erfahrung zu sehen, ob sie auf alltägliche Dinge wie den Fernseher oder die Videospielkonsole verzichten können. Dass sie es überhaupt erst einmal versuchen wollen, ist bereits als Erfolg zu werten.

Für die meisten ist es wohl dennoch schwieriger als erwartet: Kleinere Rückfälle muss jeder eingestehen. Auch auf die Frage, ob sie sich nach dem Ende der sieben Wochen weiter einschränken werden, heißt die diplomatische Antwort größtenteils: "Mal sehen."

   

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