Die Magdeburger sind Öko-Strom-Muffel. Trotz Fukushima-Katastrophe bleibt ein Ansturm auf Natur-Strom bei den Städtischen Werken Magdeburg (SWM) aus. Nicht einmal ein Prozent der 155 000 Privatkunden beziehen Öko-Strom. Die Geschäftsführung geht aber davon aus, dass sich das langfristig deutlich ändern wird.

Magdeburg. Ist Öko-Strom auch in Magdeburg jetzt die neue Nummer eins bei der Kundennachfrage? Helmut Herdt, Sprecher der Geschäftsleitung, verneint diese Frage. "Die Atomkatastrophe in Japan hat sich bei uns, was die Nachfrage nach Öko-Strom betrifft, so gut wie gar nicht bemerkbar gemacht." Rund 155 000 Privatkunden haben die SWM in Magdeburg. Anfang 2010 wollten davon etwa 500 Kunden Öko-Strom beziehen, zum Ende des Jahres seien es dann rund 1300 gewesen. Zwar rechne man in diesem Jahr mit einem weiteren Anstieg bei der Nachfrage nach Öko-Strom, das sei aber ein normaler Trend, denn schon vor Fukushima sei das Interesse langsam gewachsen.

Herdt spricht dabei vom Privatkundenbereich. Bei den Geschäftskunden der SWM wachse die Nachfrage nach Öko-Strom, der bei den SWM "Natur-Strom" heißt, deutlicher. So verlange beispielsweise der Flughafen Hamburg, der von den SWM mit Strom beliefert werde, Natur-Strom. Ebenso das "Deutsche Zentrum für Luft und Raumfahrt". Auch Kliniken und Verwaltungen würden verstärkt Öko-Strom beziehen. "Viele Unternehmen verlangen Natur-Strom, weil wiederum deren Kunden einen entsprechenden Nachweis fordern oder weil die Unternehmen damit ihre CO-2-Bilanz verbessern können", meint Helmut Herdt. Bei den öffentlichen Verwaltungen sei es dagegen meist eine politische Entscheidung, auf Natur-Strom umzustellen.

Klar ist aber für Helmut Herdt, dass die Nachfrage nach Öko-Strom steigen werde und dass das Ende der Atomenergie in Deutschland feststehe. Seit Mitte der 1970er Jahre habe sich die Ablehnung von Atomstrom in der Bevölkerung kontinuierlich entwickelt, die Reaktorkatastrophe in Japan habe diesen Prozess jetzt dramatisch beschleunigt.

Die Städtischen Werke Magdeburg seien darauf eingestellt. "Allerdings nicht erst jetzt. Die abzusehende Entwicklung gibt nur unserer Unternehmens-Philosophie recht", sagt Herdt.

Zentraler Begriff dieser Philosophie sei "Mix". Konkret heißt das, die SWM kaufen zum Teil Strom auf dem Markt bei ausgesuchten Energieproduzenten ein.

"Aber nicht auf der Leipziger Strombörse, da der Herkunftsnachweis für Strom dort sehr schwierig ist." Den Natur-Strom beziehen die SWM zu 90 Prozent von Wasserkraftanlagen in Österreich und zu zehn Prozent aus einer eigenen Windkraftanlage in der Magdeburger Schilfbreite. Dieser zertifizierte Öko-Strom sei 100 Prozent CO-2-neutral. Daneben haben sich die SWM jetzt mit 25 Prozent am größten europäischen Windrad "E 126", das in Rothensee betrieben wird, beteiligt. Auch dieser Öko-Strom werde in die SWM-Netze eingespeist.

"Konventionellen" Strom produzieren die SWM zusammen mit Eon-Avacon im Müllheizkraftwerk Rothensee. "Wir setzen also auf einen Strom-Mix und versuchen so weit es geht, den Strom von regionalen Anbietern zu beziehen", so Helmut Herdt. Und man stelle sich auf die zu erwartende steigende Nachfrage nach Öko-Strom ein. "Wir werden dabei noch andere Möglichkeiten ausloten, Sonnenenergie und vieles mehr. Alles, was möglich ist", sagt der SWM-Chef.

Dass ein bestimmter Anteil des SWM-Stroms auch aus Atomkraftwerken stamme, darüber kläre man die Kunden auf, so Herdt.

Um den Bedarf an Strom zu decken, sei das momentan auch nicht anders möglich. Der Kunde entscheide aber letztendlich, wie viel Strom im Angebots-Mix aus welchen Kraftwerken komme. Je höher die Nachfrage nach Öko-Strom sei, desto höher sei auch der entsprechende Anteil, der von den SWM von Öko-Stromproduzenten eingekauft und in die eigenen Netze eingespeist werde.

"Und wenn zukünftig alle unsere Kunden Natur-Strom abnehmen wollen, dann werden wir den auch liefern können", ist sich der SWM-Chef sicher.

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