Der Aufsichtsrat der Zoo GmbH hat die Wiedereröffnung des Nordeingangs abgelehnt. Es soll aus wirtschaftlichen Gründen bei dem einen Eingang an der Zoowelle bleiben. Gestern machte sich erneut eine Bürgerinitiative beim OB stark.

Altstadt. Initiator Siegfried Kratz hatte sich am Mittwoch gegen 16 Uhr mit 3221 gesammelten Unterschriften in die OB-Sprechstunde begeben. In seiner Begleitung eine starke Streitmacht: Sandra Tänzer, Ramona Pinkow, Wiebke Girth-Hoffmann von den GWA Neustädter See und Kannenstieg bzw. der Bürgerinitiative Nord. Im Gefolge waren die Kinder Kevin und Gina sowie Baby Abbey-Josephine. Eckhardt Bobkowski als Nutzer der Freizeitoase war als sachkundige Verstärkung aus der älteren Generation dabei.

Die Tausenden Unterschriften seien ein Ausdruck dafür, dass sich viele Magdeburger wieder einen Eingang im Norden des Zoos wünschen, kommentierten sie bei der Übergabe an Oberbürgermeister Lutz Trümper.

Wirtschaftliche Aspekte

Allerdings war eine für sie bittere Entscheidung bereits gefallen. Der Aufsichtsrat der Zoo GmbH nämlich hatte dieser Tage aus wirtschaftlichen Aspekten heraus beschlossen: Die Zoowelle bleibe vorerst der einzige Eingang. 100 000 Euro müssten für die Öffnung der alten Nordpforte gegenüber der Allendestraße aufgebracht werden.

Diese Summe werde an dem Eingang nicht erwirtschaftet, sagte der OB, zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der Zoo GmbH. Dazu müssten zum Beispiel mindestens 1700 Jahreskarten mehr erworben werden, wozu potenzielle Besucher aufgerufen worden waren. Die Rechnung ging nicht auf: Es seien bis 30. März insgesamt nur 800 Jahreskarten verkauft worden, hieß es.

Lediglich das Drehkreuz soll am Nordeingang als Ausgang in Funktion bleiben, um den Bewohnern der angrenzenden Wohngebiete wenigstens den Rückweg zu verkürzen.

Das Kreuz sei für Mütter mit Kinderwagen absolut nicht passierbar, hielt Ramona Pinkow dagegen. Auch Rollstuhlfahrer kämen nicht durch, sagte die Mutter von vier Kindern. Mit zahlreichen anderen Argumenten beschworen die Vertreter der Bürgerschaft den OB, wieder einen zweiten Eingang zu öffnen.

Es gehe um ca. 25 000 Bürger im nördlichen Einzugsgebiet, sagte Siegfried Kratz. Schulen und Kindergärten werde der Zoobesuch erschwert oder gar verwehrt, bedauerten Sandra Tänzer und Wiebke Girth-Hoffmann. Ältere Bürger hätten durch weite Umwege das Nachsehen, wusste Eckhardt Bobkowski.

Lutz Trümper zeigte Verständnis, verwies aber darauf, dass die Entscheidung aus dem gesamtstädtischen Blickwinkel gefallen sei. Wenn aber entgegen dem vom Stadtrat beschlossenen Entwicklungskonzept mit einem repräsentativen Eingang (2,4 Millionen Euro Kosten für die Zoowelle) anderes gewünscht werde, dann müsse zwangsläufig eine erneute Entscheidung im Rat fallen. Die 100 000 Euro für den Nordeingang müssten im Stadthaushalt eingestellt werden.

Der Aufsichtsrat hält Kompromisse bereit. Bei Großveranstaltungen werde der geschlossene Eingang Am Vogelgesang geöffnet, erklärte Trümper.

"Mögliche Alternative"

Später, wenn die Gastronomie in der neuen Elefantenanlage ausgebaut sei, wolle man überlegen, ihn wieder als Eingang zu nutzen. Was das Drehkreuz betreffe, da werde er mit der Zoo GmbH über mögliche Lösungen reden, sagte er.

Die gestrige Abordnung will nicht aufgeben. "Wir kämpfen weiter, suchen erneut Verbündete bei den Stadträten. Die Öffnung des Eingangs Am Vogelgesang wäre eine mögliche Alternative, Investitionen auch nicht erforderlich", hieß es zum Schluss. Und: Bis September wollen sie 5000 Unterschriften gesammelt haben, kündigten sie an.

 

Bilder