Wittenberg - Die Bedeutung des Reformators Martin Luther für die Herausbildung eines demokratischen Gemeinwesens hat Sachsen-Anhalts Kultusminister Stephan Dorgerloh (SPD) gewürdigt. Durch die Reformation sei der Grundstein dafür gelegt worden, dass alle Menschen vor dem Gesetz gleich seien und Ämter auf Zeit vergeben würden, sagte Dorgerloh laut einer Mitteilung seines Ministeriums bei der Sonntagsvorlesung in Wittenberg. Zudem begleite die Gesellschaft die Frage nach dem Verhältnis zwischen Staat und Kirche bis heute. Dabei gehe es auch um die Wahrnehmung und Wertschätzung von religiösen Belangen im öffentlichen Raum, sagte Dorgerloh, der Theologie studiert hat.

Es müsse zudem gefragt werden, wie im Verhältnis von Staat und Kirche die 500. Wiederkehr des Thesenanschlags im Jahr 2017 begangen werden solle, sagte Dorgerloh weiter. In den vergangenen Jahrhunderten sei zu den Jubiläen jeweils das "brauchbarste Stück Luther" herausgestellt und für die eigenen Zwecke instrumentalisiert worden. So habe der Reformator anfangs stark der konfessionellen Abgrenzung gedient, später als "deutscher Heros" und "Vater des Vaterlandes", stets und immer aber als Projektionsfläche der Bedürfnisse der Zeit. "Eben das wollen wir 2017 ganz ausdrücklich vermeiden."

Mit der Sonntagsvorlesung eröffnete Dorgerloh das Themenjahr "Reformation und Politik" für Sachsen-Anhalt. Das Themenjahr im Rahmen der Lutherdekade solle die politische Dimension der Reformation beleuchten und dabei auch die Schattenseiten wie die Instrumentalisierung für nationalistische Interessen thematisieren, hieß es.