Düsseldorf - Ein möglicher dritter Investor, ein Büro in New York - doch trotz einer Generierung von neuen millionenschweren Geldquellen sieht Bayern Münchens Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge keinen "Automatismus" für eine dauerhafte Vormachtstellung.

"Unser Anspruch ist es, so oft Meister zu werden, wie es geht", sagte der Vize-Weltmeister von 1982 und 1986 beim Sportsponsoring-Kongress Spobis in Düsseldorf. Der Verein sei aber nicht so arrogant, "zu sagen, dass wir in den kommenden zehn Jahren acht oder neunmal Meister werden. Das, befürchte ich, wird nicht der Fall sein".

Rummenigge verwies darauf, dass es in den zurückliegenden Jahren immer auch andere Titelgewinner wie den VfL Wolfsburg (2009), den VfB Stuttgart (2007) oder zweimal Borussia Dortmund (2011, 2012) gegeben habe. Nach Ansicht des Schalker Aufsichtsratschefs Clemens Tönnies wird das Ende der Münchner Dominanz in der Liga aber noch lange auf sich warten lassen: "Irgendwann kommt wieder eine Schwächephase, aber in den nächsten Jahren ist der Meistertitel vergeben."

Und für die Rivalen könnte es in Zukunft immer schwieriger werden, die Bayern zu gefährden. Der finanzielle Vorsprung könnte sich weiter vergrößern. Neben Audi und Adidas könnte ein dritter Anteilseigners an der FC Bayern München AG noch dazukommen. "Wir könnten noch Anteile verkaufen, ich würde das nicht zur Gänze ausschließen", sagte Rummenigge. Der Vorstandsvorsitzende des Fußball-Bundesligisten betonte dabei: "Wir brauchen kein Geld für Transfers." Die Münchener werden keinen "Messi holen".

"Wenn wir so etwas machen, wird das in die Infrastruktur investiert, in Steine, nicht in Beine", ergänzte Rummenigge. Das Geld der derzeitigen Anteilseigner sei ebenso ins Stadion geflossen. Weitere Einnahmen könnten für das neue Nachwuchsleistungszentrum eingesetzt werden. Zu einem möglichen Einstieg der Allianz, dem Namensgeber der Arena, sagte Rummenigge: "Ich habe auch von den Gerüchten gehört, aber das kann ich im Moment nicht bestätigen." Im Gegensatz zu den Bayern ist eine Ausgliederung der Fußball-Abteilung bei Schalke auch in Zukunft kein Thema. Man denke nicht daran, Filetstücke abzugeben, sagte Tönnies.

Rummenigge kündigte unterdessen an, dass die Bayern die USA als Zielmarkt ausgemacht haben. "Wir werden im nächsten Sommer nach Amerika gehen, da drei Spiele machen", sagte der Bayern-Boss und fügte hinzu: "Wir werden in New York ein Büro eröffnen."

Im Sponsoring verfolge der Club eine "Zwei-Wege-Strategie", sagte Rummenigge: "Die Sponsoren, die wir haben, nehmen wir mit. Aber wir wollen auch den einen oder anderen Sponsor in Amerika oder Asien dazu gewinnen."

Der Münchner Vorstandsvorsitzende betonte derweil erneut die Vorteile des von der UEFA auf den Weg gebrachten Financial Fair Play für die deutschen Vereine. "Grundsätzlich glaube ich, ist das etwas Gutes." Es sei eine Chance, wieder wirtschaftlich rational zu werden. "63 Prozent aller Proficlubs in Europa schreiben rote Zahlen", mahnte Rummenigge: "Dem müssen wir Rechnung tragen." Die Einführung einer wirtschaftlichen Kontrolle sei "eine Chance für den Fußball". Es gebe "Regionen, die mehr Problem haben als Deutschland", sagte Rummenigge und würdigte die Arbeit in der Bundesliga: "Hier erfüllen fast 100 Prozent die Bedingungen."

Er lobte dabei die Bemühungen des UEFA-Präsidenten Michel Platini: "Er möchte nicht, dass die Champions League durch einen reichen Mann, egal ob er aus Russland oder Arabien kommt, entschieden wird." Dabei zielt Rummenigge auch auf Paris St. Germain: "Ich glaube nicht, dass der Verein die Statuten erfüllt."