Sotschi - Noch hält ein Bagger den Stammplatz von Sebastian Vettel besetzt. Mitten auf der Zielgeraden der Formel-1-Strecke im Olympia-Park von Sotschi, ganz in der Nähe der künftigen Pole Position, schlummern die Baumaschinen für Russlands nächstes Sport-Prestigeprojekt.

Am 12. Oktober soll am Schwarzen Meer das allererste Formel-1-Rennen in Wladimir Putins Riesenreich gestartet werden und das Olympia-Erbe in Szene setzen. "Sie haben ihren Job erstklassig erledigt", lobt Chefvermarkter Bernie Ecclestone schon acht Monate vor der Premiere die Grand-Prix-Veranstalter von Sotschi.

Am Rande des gigantischen Olympia-Parks erheben sich bereits die Haupttribünen und Funktionsgebäude für das Königsklassen-Abenteuer am Kaukasus. Bauschutt, Schlamm und herumliegendes Werkzeug beweisen indes, dass es noch viel zu tun gibt. "Alles ist im Plan", versichert Streckenbauer Hermann Tilke. Wie fast alle neuen Formel-1-Kurse hat der Aachener auch die 5,853 Kilometer lange Strecke in Sotschi entworfen. Bis zum Ende der Paralympics am 16. März herrscht jedoch Baustopp. Erst danach können die Restarbeiten abgeschlossen werden.

Rund 250 Millionen Euro sollen sich die Gastgeber den Bau der Rennstrecke kosten lassen, heißt es. Kremlchef Putin persönlich besiegelte per Handschlag den Deal mit Ecclestone. Die Herren verstehen sich. Während Olympia lobte Ecclestone Putin für sein umstrittenes Anti-Homosexuellen-Gesetz: "Auch wenn es ein paar Leute verärgert, sieht er die Welt eben so und ich denke, er hat völlig recht." Mindestens bis 2020 soll die Formel 1 in Sotschi fahren. Dafür kassiert Ecclestone jährlich wohl rund 29 Millionen Euro.

Seit langem hatte der 83 Jahre alte Brite Russland als Ziel seiner Eroberungszüge durch die Weltmärkte benannt. Schon nach Olympia 1980 in Moskau verhandelte Ecclestone mit dem damaligen Kremlchef Leonid Breschnew über ein Grand-Prix-Gastspiel in Moskau. 34 Jahre später wird Ecclestones Wunsch in Sotschi wahr.

Vierfach-Weltmeister Vettel inspizierte bereits im vergangenen April die Strecken-Baustelle. "Wenn alles fertig ist, wird es toll aussehen", urteilte der Red-Bull-Pilot damals nach einer Runde im Geländewagen. "Es ist eine einzigartige Strecke mit dem Meer, den Bergen und dann auch noch im Olympia-Park", erklärte der Hesse seine Begeisterung.

Auch Baumeister Tilke ist von einem Gelingen der Premiere fest überzeugt. "Das wird eine ganz besondere Atmosphäre sein, die sicherlich einzigartig ist", versprach der 59-Jährige. Ziel der Organisatoren sei es gewesen, die mit Milliarden-Aufwand errichteten Olympia-Bauten erneut vor einem internationalen TV-Publikum ins Bild zu setzen. Für einen Stadtkurs sei es eine sehr schnelle Strecke geworden, die ewig lange Kurve vier im Herzen des Parks soll einer der Reizpunkte werden. Nur die letzte Asphaltschicht fehlt noch.

Es bleibt die Frage, ob Russland wirklich reif für die Formel 1 ist. Zuletzt waren Ecclestones Ausflüge auf neue Märkte nicht immer von nachhaltigem Erfolg gekrönt. Südkorea, Indien und die Türkei verschwanden nach wenigen Jahren wieder aus dem Rennkalender. Zwei Faktoren zumindest sprechen für Sotschi: In Toro-Rosso-Pilot Daniil Kwjat haben die russischen Fans einen Landsmann als Identifikationsfigur. Und beim Außenseiter-Team Marussia und dem Sauber-Rennstall haben russische Sponsoren ein Interesse an einem schillernden Heim-Rennen. Ecclestone ist ohnehin schon seit längerem sicher: "Russland wird das nächste große Ding."