Sotschi - Mit ihrem schönsten Lächeln fuhr Anna Schaffelhuber auf die Bühne zur Siegerehrung. Gut vier Stunden nach dem erlösenden Jury-Urteil war alle Anspannung abgefallen und das Glück perfekt.

Viermal reckte sie die Arme in die Höhe, ehe das Covergirl des deutschen Behindertensports als Siegerin im Slalom mit dem Monoski die dritte Goldmedaille bei den Paralympics in Sotschi in der Hand hielt. Zwischen ihrer Teamkollegin Anna-Lena Forster als Zweiter und der Kanadierin Kimberly Joines genoss "Gold-Anna" die Ehrung im Bergsportort Rosa Chutor in vollen Zügen.

Im 60 Kilometer entfernten Sotschi hatte das Board of Appeal des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC) am frühen Nachmittag das unwürdige Hickhack um ihre Disqualifikation am Vortag nach 24 Stunden beendet. "Ja, es ist Gold", verkündete Anna Schaffelhuber nach dem Happy End, "die Disqualifikation ist aufgehoben, ich habe Gold.". Die nun dreimalige Paralympics-Siegerin kann an diesem Freitag als Führende der Super-Kombination ihr viertes Gold holen.

Beim Nacht-Slalom der Männer blieb den deutschen Alpinen ein Erfolg verwehrt. Thomas Nolte aus Helmstedt belegte mit dem Monoski zunächst Platz vier, wurde später aber wegen eines Torfehlers im zweiten Lauf disqualifiziert. Georg Kreiter aus Egling war schon im ersten Durchgang nicht ins Ziel gekommen.

Noch während der stundenlangen Beratung hatten die paralympischen Verbandspräsidenten von Deutschland und Österreich ein politisches Zeichen an den Gastgeber gesendet. Friedhelm Julius Beucher und Maria Rauch-Kallat lehnten im Gegensatz zur großen Mehrheit ihrer Kollegen ein Mittagessen mit Russlands Staatschef Wladimir Putin ab. Beide ließen sich auch nicht bei einem vertraulichen Gespräch mit IPC-Präsident Philip Craven davon abbringen.

"Ich kann nicht auf der einen Seite Herrn Putins Säbelrasseln auf der Krim kritisieren, mich über die ständigen Menschenrechtsverletzungen in Russland aufregen und dann zu Herrn Putin hingehen, zum Mittagessen einladen lassen, ihm die Hand schütteln und womöglich noch den Dank entgegen nehmen, dass wir hier mit unserem Team nach Russland gekommen sind", sagte Beucher.

Wichtiger war dem 67-Jährigen, Schaffelhuber bei ihrer nervenzehrenden Geduldsprobe beizustehen. "Danke für alles", sagte die 21-Jährige, als Beucher sie mit einer innigen Umarmung zur dritten Goldmedaille beglückwünschte. "Das ist eine wunderbare Entscheidung im Sinne des Sports", lobte Beucher das Urteil, kritisierte aber das IPC: "Über das unprofessionelle Handeln der IPC-Vertreter an der Piste wird noch zu reden sein."

Nach einem Protest Österreichs wegen eines angeblichen Regelverstoßes beim Start war Schaffelhuber am Mittwoch als Schnellste des ersten Slalomlaufes disqualifiziert worden. Durch rasches Handeln der deutschen Teamleitung durfte sie im zweiten Durchgang als Erste mit umgedrehter Nummer fahren. Die Zeit wurde gestoppt und bis zur Verhandlung geheim gehalten.

Das dreiköpfige Gremium unter Vorsitz des Briten Alan Dickson ließ sich im IPC-Hotel Aiwasowski Zeit für seine Entscheidung. Als Schaffelhuber nach der Anhörung ins Vestibül zurückkehrte, eilte als Erste Österreichs Verbandspräsidentin auf sie zu. "Ich möchte mich ganz herzlich entschuldigen. Es tut mir sehr leid", sagte Maria Rauch-Kallat. "Das war eine nette Geste. Es wäre schön, wenn sich die Verantwortlichen auch entschuldigen würden. Das ist unfair gegen meine Person", entgegnete die Sportlerin.

Der italienische Sledgehockey-Spieler Igor Stella wurde nach seinem Dopingvergehen vom IPC für 18 Monate gesperrt. Bei Stella waren bei einem unangekündigten Test Spuren eines verbotenen Mittels entdeckt worden. Es handelt sich um einen Wirkstoff einer Salbe, die der 23 Jahre alte Athlet nach eigenen Angaben zur Behandlung von Wundliegegeschwüren benutzt hatte.