Be\'er Sheva/Tel Aviv - Der Chemiekonzern Israel Chemicals Ltd. (ICL) baut seine Investitionen in Bitterfeld aus. Es würden bis zu zehn Millionen Euro in eine neue Anlage für chemische Produkte zum Flammschutz investiert, sagte ICL-Chef Stefan Borgas am Sonntag nach einem Besuch von Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) in zwei Produktionsstätten des Konzerns in Israel.

"Bitterfeld hat das Rennen gemacht", sagte der frühere BASF-Manager. ICL mit weltweit 12 000 Beschäftigten hat in Bitterfeld bereits ein Werk mit rund 100 Mitarbeitern. Die neue Investition werde fünf bis zehn neue Arbeitsplätze schaffen, sagte Borgas. Das Unternehmen gewinnt aus dem salzhaltigen Toten Meer an der Grenze zwischen Israel und Jordanien verschiedene Chemikalien, die unter anderem in Deutschland weiterverarbeitet werden. Das neu entwickelte Produkt zum Flammschutz wird in Elektronikbauteilen genutzt, die Nachfrage war zuletzt stark angestiegen.

Borgas stellte zudem eine zusätzliche Investition in eine Anlage für Kalilauge im Wert von 30 bis 50 Millionen Euro und mit rund 100 neuen Arbeitsplätzen in Aussicht. Die Rahmenbedingungen wie Investionsklima und Personal seien in Deutschland sehr gut, allein die Unsicherheit bei den künftigen Energiepreisen in Europa spreche gegen den Standort. "Die große Sorge in Bitterfeld sind die Energiepreise", sagte Borgas.

Regierungschef Haseloff sicherte dem Unternehmen zu, sich bei der Debatte um die Energiepreise für das Unternehmen einzusetzen. Es sei falsch, dass die EU die Entlastung energieintensiver Branchen von einem Teil der Kosten der Energiewende als Subvention einstufe. Allerdings sei auch klar, dass der Ausstieg aus der Atomkraft in Deutschland Bestand habe. "Die Energiewende ist irreversibel." Haseloff riet dem Unternehmen, den Bau eines eigenen Kraftwerks für die neue Anlage zu prüfen, weil solche Projekte womöglich von Umlagen ausgenommen würden.

Am Samstag hatte Haseloff (CDU) die Geburtskirche Jesu in Bethlehem besucht. Der bekennende Katholik ließ sich in den Gewölben unter der Kirche im Westjordanland die Stelle zeigen, wo nach der Überlieferung vor rund 2000 Jahren Jesus zur Welt kam. Zudem besuchte er eine deutschsprachige Schule im Palästinensergebiet. Haseloff ermunterte Jugendliche, in Deutschland zu studieren. Gut ausgebildete Fachkräfte würden sowohl in Deutschland als auch in der Heimat der Schüler gebraucht.