Berlin/Sanaa - Ein im Jemen von Stammesangehörigen entführter Deutscher ist nach dreieinhalb Monaten Geiselhaft wieder frei. Das teilte das Auswärtige Amt in Berlin am Dienstagabend mit. Das Entführungsopfer stammt aus Sachsen-Anhalt. Nach Medienberichten ist sein Heimatort Haldensleben (Landkreis Börde).

Anfang Februar hatte Sachsen-Anhalts Regierungssprecher Matthias Schuppe Zeitungsberichte bestätigt, dass der Entführte seinen Wohnsitz in der Nähe von Magdeburg habe. Nach damaligen Berichten soll er rund 70 Jahre alt sein und in Jemens Hauptstadt Sanaa einen Arabisch-Kurs besucht haben. Das Auswärtige Amt bestätigte am Dienstag weder die genaue Herkunft des Deutschen noch sein Alter und den Grund für seine Reise.

Der Mann war Ende Januar in Sanaa von Bewaffneten verschleppt worden. Das Auswärtige Amt bildete daraufhin einen Krisenstab. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) äußerte sich nun erleichtert über die Freilassung. Dem Entführungsopfer gehe es den Umständen entsprechend gut, sagte eine Ministeriumssprecherin.

Die Entführer hatten nach örtlichen Medienberichten noch vor kurzem gedroht, den angeblich schwer kranken Mann an das Terrornetzwerk Al-Kaida zu "verkaufen". Der Mann befand sich am Dienstagabend in deutschen Botschaft in Sanaa in Sicherheit.

Steinmeier dankte allen, die an der Freilassung beteiligt waren, insbesondere dem Staatspräsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi und der Regierung in Sanaa. Nach einem Bericht des lokalen Nachrichtenportals "Mareb Press" ließ die Regierung im Gegenzug zwei inhaftierte Verwandte der Kidnapper frei.

Der Fernsehsender "Al-Yemen Al-Youm" meldete, der Deutsche sei mit einem Hubschrauber aus dem Stammesgebiet gebracht worden. Auch diesen Informationen zufolge war die Forderung der Entführer erfüllt worden.

Entführungen von Ausländern sind im Jemen nicht selten. In den meisten Fällen wollen die Kidnapper die Freilassung von Miliz- oder Stammesangehörigen aus dem Gefängnis erzwingen oder Forderungen nach Lösegeld durchsetzen.

Das Auswärtige Amt warnt Bundesbürger bereits seit längerer Zeit vor allen Reisen in den Jemen. Erst Ende April war bei einem Entführungsversuch im Jemen ein deutscher Diplomat verletzt worden.