Hamburg - Ein Rekord-Weltmeister kann sich auch über seinen 28. nationalen Meistertitel immer noch freuen. "Es ist immer schön zu gewinnen und vor den Jungen zu sein", sagte der 34 Jahre alte Thomas Lurz zum Auftakt der deutschen Freiwasser-Meisterschaften.

Auf der Regattastrecke in Hamburg-Allermöhe lag Lurz beim Kampf allein gegen die Uhr über fünf Kilometer in 53:21,61 Minuten klar vor der Konkurrenz. Damit hätte der zwölfmalige Weltmeister über diese Distanz bei Wassertemperaturen von knapp 20 Grad in der Dove Elbe eigentlich die perfekte Generalprobe für die Schwimm-EM vom 13. bis 24. August in Berlin gefeiert - wäre da nicht der Zeitplan, der ihm wohl einer Goldchance berauben wird.

Weil nach den fünf Kilometern am 13. August und den olympischen zehn Kilometern einen Tag später nur weniger als 20 Stunden liegen, kommt für den Würzburger wie für den Rest der europäischen Elite ein Start über beide Distanzen derzeit nicht in Betracht. "Das ist nicht möglich und überhaupt nicht glücklich. Sehr, sehr schade, dass das so gelegt ist, nicht nur für mich. Das nimmt uns insgesamt eine Strecke", sagte Lurz der Nachrichtenagentur dpa: "Das wurmt schon."

Auch sein Bruder, Bundestrainer Stefan Lurz, kann den Zeitplan nicht nachvollziehen: "Ist schade drum, so müssen wir das Team aufteilen. So wird es darauf hinauslaufen: entweder, oder". Da die Platzierungen über die olympische 10-Kilometer-Distanz über Fördermittel entscheiden, stehen diese bei allen Freiwasser-Spitzenathleten im Fokus.

Zum DM-Auftakt schaffte ein Sextett die EM-Norm. Neben Lurz unterboten auch Rob Muffels (Magdeburg), Andreas Waschburger (Saarbrücken) und Sören Meißner (Würzburg) die geforderte Zeit von 55 Minuten. Da Lurz aber wahrscheinlich die fünf Kilometer in Berlin auslassen muss, kann sich Beckenschwimmer Meißner berechtigte Hoffnungen auf einen der drei möglichen Startplätze pro Strecke machen.

Bei den Frauen blieben Patricia-Lucia Wartenberg und Isabelle Härle unter der EM-Norm. Die 18-jährige Wartenberg aus Hannover setzte sich in 58:09,32 Minuten vor Team-Weltmeisterin Härle (Essen/58:30,47) durch. "Das hat Spaß gemacht", sagte Wartenberg, der Bundestrainer Lurz eine gute Perspektive sowohl im Freiwasser als auch im Becken vorhersagt. Härle war noch etwas geschlaucht vom Weltcup vergangene Woche in Portugal. "Ich will bei der EM unbedingt im Team-Wettbewerb starten", sagte Härle, die im EM-Becken auch die 1500 Meter anstrebt.

Bei der Schwimm-EM fallen Mitte August an der Regattastrecke Grünau Entscheidungen über 5, 10 und 25 Kilometer sowie im Team-Wettbewerb. Wie Lurz ist auch Angela Maurer aufgrund der WM-Medaillen von 2013 vorqualifiziert. Daher lässt die 38-Jährige die DM aus und konzentriert sich ganz auf Berlin.