Berlin - Die unglaubliche Goldserie hält. Nach dem siebten Streich bei ihrer rasanten EM-Titeljagd genossen die Synchronspringer Patrick Hausding und Sascha Klein die Klänge der Nationalhymne ganz besonders.

"Wir freuen uns gigantisch", bekannte Klein nach dem nächsten Coup. Und zur Routine sind die Siege vom Turm für die Weltmeister trotz so vieler Erfolge immer noch nicht geworden. "Die Freude ist exponentiell steigend", erklärte Hausding nach seiner schon zweiten Goldmedaille in Berlin. "Es ist jedes Jahr die neue Situation, dass man wieder Europameister wird."

Die Familien jubelten beim Heimspiel auf der Tribüne, von der Verbandspräsidentin gab es bei der Siegerehrung die verdienten Küsschen - die beiden EM-Dauersieger gaben sich nach starken Sprüngen aus zehn Metern Höhe aber ganz cool. Verhalten klopften sich die beiden Kumpels nach dem Sieg mit 461,46 Punkten auf die Schultern. Anders als beim knappen Wettkampf von Bronzemedaillengewinnerin Tina Punzel vom Ein-Meter-Brett kurz zuvor hatten Hausding/Klein souverän vor den Weißrussen Wadim Kaptur/Jauheni Karaliou (421,80 Zähler) und den Ukrainern Alexander Bondar/Maxim Dolgow (415,17) die Konkurrenz beherrscht.

"Das zeugt von absoluter Stabilität, Weltklasse", hob Leistungssportdirektor und Wassersprung-Bundestrainer Lutz Buschkow die Bedeutung der Erfolgsserie hervor. Für beide war es insgesamt der zehnte Sieg bei einer EM, zusammen gewannen sie außer bei den sieben Europameisterschaften seit 2008 auch schon bei der WM vor einem Jahr in Barcelona. In Peking 2008 hatte es zu Olympia-Silber gereicht, eine Medaille in Rio ist das große Ziel. "Der Druck ist natürlich da, der Druck im Kopf wird von Jahr zu Jahr größer", gestand Klein mit Blick auf die EM-Dauererfolge.

Hinter dem schwarz verkleideten Sprungturm war Buschkow einer der ersten Gratulanten. "Wir haben eine super Stimmung in der Mannschaft, es läuft rund", schwärmte er. Nach fünf von elf Wettkämpfen in Berlin hat sein Team fünf Plaketten gesammelt. Fünf bis sieben Medaillen waren anvisiert, weitere gute Chancen vor allem durch Hausding und Klein stehen an.

Mehr bangen als bei "Mr. Zuverlässig" und "Mr. Konstant" musste Buschkow im spannenden Finale der Damen vom Ein-Meter-Brett. Zwischen Platz eins und vier lagen am Ende nur 3,8 Punkte, aber die 19-jährige Punzel hatte eindrucksvoll die Nerven behalten.

"Ich bin total glücklich über die Medaille, es war supereng und hätte auch anders ausgehen können", sagte die strahlende Punzel, die schon zusammen mit Klein Team-Bronze gewonnen hatte. "Es hat super viel Spaß gemacht." Der Titel ging an Dauer-Europameisterin Tania Cagnotto, die mit 289,30 Punkten ihre 20. Medaille bei einer EM gewann. Silber bejubelte die Russin Kristina Ilinich (288,55), knapp vor Punzel (286,70). "Wir sind überglücklich, dass es Bronze geworden ist", betonte Buschkow.

Von den deutschen Startern in der Sprunghalle ging nur Nora Subschinski leer aus. In ihrer Comeback-Saison verpasste die Berlinerin auf Platz 14 knapp das Finale der besten Zwölf. "Sie schien mir etwas übermotiviert, sie hätte es locker ins Finale schaffen können", erklärte Buschkow. "Es ist aber nicht ihre Schokoladen-Disziplin."