London - Für große Freudentänze nach dem Coup in Old Trafford reichte die Kraft bei Lewis Holtby und seinen neuen Kollegen vom FC Fulham nicht mehr.

"Dazu waren wir viel zu kaputt. Einige hatten Krämpfe. Immerhin mussten wir 90 Minuten verteidigen", sagte der deutsche Nationalspieler Lewis Holtby der Nachrichtenagentur dpa nach dem 2:2 (1:0) des FC Fulham beim kriselnden Meister Manchester United. Ein erster Schritt auf dem Weg zum Klassenerhalt ist dem Tabellenletzten der Premier League damit geglückt.

Holtby - vor wenigen Tagen von Tottenham Hotspur nach Fulham ausgeliehen - hatte großen Anteil an dem Remis. In der 19. Minute spielte er einen tollen Pass in die Spitze, den Steve Sidwell zum 1:0 für die Gäste verwertete. Nach Toren von Robin van Persie (78.) und Michael Carrick (80.) für Man-United raubte Fulhams Darren Bent dem Favoriten in der Nachspielzeit den sicher geglaubten Sieg und sorgte damit beim englischen Rekordmeister für den nächsten Tiefpunkt.

Der britische Sender "BBC" veröffentlichte auf seiner Internetseite daraufhin eine Liste mit den Rückschlägen des Vereins seit Coach David Moyes die Nachfolge von Erfolgstrainer Sir Alex Ferguson übernommen hat. Sie ist lang. Dazu hieß es: "Nach zehn Niederlagen gewöhnt sich Moyes an Enttäuschungen".

In 25 Liga-Spielen ging Manchester gegen Fulham bereits zum 13. Mal nicht als Sieger vom Platz. Der Coach war nach dem Ausgleich in der 94. Minute fassungslos: "Schlimmer kann es nicht mehr kommen". Im Rennen um die Qualifikation für die Champions League-Qualifikation liegt der Club nun neun Punkte hinter dem Vierten FC Liverpool.

Für Fulham fühlte sich indes die Punkteteilung im Kampf um den Klassenerhalt wie ein Sieg an. "Ich hoffe, das war die Wende. Es hat jedem von uns gezeigt, dass wir auch gegen stärkere Mannschaften punkten können. Das Remis hat uns viel Selbstvertrauen gegeben. Endlich hat sich die harte Arbeit mal ausgezahlt", meinte Holtby.

Die Entscheidung, vom Champions-League-Anwärter Tottenham zum Abstiegskandidaten Fulham zu gehen, verteidigte der ehemalige Schalker. "Das ist eine Herausforderung - und die wollte ich annehmen. Der Abstiegskampf wird knallhart. Außerdem ist es für mich wichtig, Woche für Woche zu spielen", sagte der 23 Jahre alte Mittelfeldspieler, der bei den Spurs kaum zum Zug gekommen war. "Einige meinen vielleicht, ich sei gescheitert, ich sehe das nicht so. Ich kann mich in Fulham weiterentwickeln und weiter auf höchstem Niveau spielen. Ich glaube, das ist ein gutes Sprungbrett für meine weitere Karriere." Eine mögliche Rückkehr in die Bundesliga war zuvor geplatzt.

Wie es nach der Saison weitergeht, weiß Holtby noch nicht. Sein Vertrag bei den Spurs läuft bis 2018. "Ich bin total auf die restlichen 13 Saisonspiele fokussiert. Was danach kommt, sehen wir dann". Ein großes Ziel bleibe die Teilnahme an der Weltmeisterschaft in Brasilien im Sommer.

"Natürlich hoffe ich immer noch. Ich gebe alles dafür, dass es für eine Nominierung reicht, aber ich bin realistisch genug zu wissen, dass es auf meiner Position einige Konkurrenten gibt", sagte Holtby. Weitere Auftritt wie am Sonntag im Old Trafford würden die Chancen des Kickers sicherlich erhören. Am Mittwoch erwarten die Cottagers den FC Liverpool. Ein Punktgewinn wäre wieder eine Überraschung.