Berlin - Beim Treffpunkt der deutschen Elitespieler in Stuttgart war die blasse Nullnummer von Berlin für Matthias Ginter nur noch Statistik. Die 23. Bundesliga-Runde 2013/14 wird der 20-jährige Verteidiger wohl sein ganzes Fußball-Leben nur mit einem Anruf verbinden.

Am Tag des 0:0 bei Hertha BSC hatte Joachim Löw persönlich Ginter darüber informiert, dass er beim Länderspiel am Mittwoch gegen Chile zum Nationalmannschafts-Kader gehört.

"Ich habe mein Handy dann ausgeschaltet. Ich wollte den Fokus auf das Spiel in Berlin behalten, das war nicht so einfach", berichtete der designierte Neu-Nationalspieler von den Stunden nach der Nominierung. Jetzt will Ginter mit seinen prominenten Mitspielern um Bastian Schweinsteiger oder Mesut Özil vor allem "viel Spaß haben", sagte der Freiburger: "Das ist das Wichtigste."

Dass sich möglicherweise für ihn nun sogar die Tür für eine WM-Teilnahme in Brasilien noch öffnen könnte, wollte Ginter gar nicht als Möglichkeit bezeichnen. "Bis zum Sommer ist es noch so lange hin. Ich weiß schon, dass es eine Menge sehr gute Spieler gibt in Deutschland." Das Interesse an dem Talent ist jedenfalls geweckt, bei den Fans und auch bei Topclubs: Manchester United soll zum Beispiel Ginter bereits näher beobachten.

Nach dem Punktgewinn in Berlin, den Ginter mit 73 Prozent seiner gewonnenen Zweikämpfe mit erkämpft hatte, freute sich der gebürtige Freiburger erst einmal auf den Auswahl-Treffpunkt am Sonntag. "Das ist einfach eine Riesensache. Joachim Löw hat direkt bei mir angerufen", berichtete der Glückliche.

Zuvor hatte der Neu-Berufene Bundesliga-Toptorjäger Adrian Ramos an die Kette gelegt - der Kolumbianer fiel vor 37 920 Zuschauern nur durch zwei gefährliche, aber erfolglose Schüsse in der Schlussphase auf. Nach vier Auswärtsniederlagen nacheinander holte der SC zumindest wiedermal einen Punkt. Vor allem in den Luftduellen zeigte der 1,90 Meter große Ginter seine Qualitäten. "Auf dem Platz macht es keinen großen Unterschied", berichtete er über seinen ersten Einsatz als Löw-Schützling.

"Er hat eine gute Körperlichkeit, ist kopfballstark, technisch stark. Er hat viele Dinge, die ihn schon mit 20 Jahren dazu legitimieren, für die Nationalmannschaft berufen zu werden", sagte SC-Coach Christian Streich zu Ginter. Als 14-Jähriger war der Defensivspezialist zum SC gekommen, hatte dann alle Altersklassen des Sportclubs und - von der U 18 an auch des DFB durchlaufen.

"Das ist eine gute Geschichte für den SC Freiburg", bemerkte Streich und wertete die Einladung Ginters auch als Erfolg für die intensive und gute Nachwuchsarbeit des derzeitigen Tabellenvorletzen: "Er ist jetzt sozusagen das Sinnbild dafür." Als sechster Freiburger nach Jens Todt, Jörg Heinrich, Martin Spanring, Sebastian Kehl und Max Kruse wurde Ginter in den A-Kader berufen.

Mit Streich hatte der Bundestrainer ebenfalls telefoniert. "Wir kennen uns ja lange. Ich durfte mit Jogi beim SC Freiburg noch zusammenspielen", erzählte Ginters Clubcoach. Die spezielle Situation in Freiburg hätte mit dazu beigetragen, dass sich das Talent so entwickeln konnte, dass es nun schon für Löws Ansprüche reicht. "Sicher ist es ein Vorteil in Freiburg, dass er nicht so extrem unter Druck steht, wie das bei anderen Vereinen ist", sagte Streich: "Er hatte das Glück, schon mit 18 in der Bundesliga zu spielen." Und hier könnten sich junge Leute auch mal ein paar Fehler erlauben, ohne gleich wieder raus zu sein, machte Streich deutlich.