Dortmund - Schalkes Torjäger Klaas-Jan Huntelaar verspürt bereits seit Tagen "ein Kribbbeln", Dortmunds Sebastian Kehl erwartet auf dem Platz "eine heiße Schlacht". Das traditionell ohnehin prestigeträchtige Revierderby birgt in diesem Jahr besondere Brisanz.

Für die Profis wird das 84. Bundesligaduell der Erzrivalen zum Endspiel um Rang zwei, für die Anhänger zur Bewährungsprobe. Kommt es erneut zu Randale, drohen in Zukunft Duelle vor eingeschränkter Kulisse. "Wir sind optimistisch, dass es ruhig bleibt und die Rivalität nur auf dem Platz ausgetragen wird. Dafür wurde im Vorfeld alles getan", sagte der Schalker Sportvorstand Horst Heldt.

Eigentlich sollten Gäste-Fans schon diesmal komplett ausgeschlossen werden. Das sahen erste Pläne vor. Erst nach langen Diskussionen einigten sich beide Vereine darauf, den gegnerischen Anhang noch einmal zuzulassen. Doch bei ähnlichen Vorkommnissen wie in den vergangenen Partien, als verletzte Polizisten und Zuschauer sowie der Einsatz von Pyrotechnik für wochenlangen Gesprächsstoff sorgten, wäre die Geduld der Führungskräfte endgültig aufgebraucht. Einer der größten Sicherheitseinsätze überhaupt bei einem Fußballspiel in Nordrhein-Westfalen soll verhindern, dass Gewalttäter erneut zu Derby-Hauptdarstellern werden. Knapp 3000 Polizeibeamte sollen die Fangruppen schon bei der Anreise trennen, der BVB setzt zudem 1000 Ordner ein.

Alle Beteiligten hoffen inständig auf ein rein sportliches Kräftemessen. Schalkes Abwehrspieler Kaan Ayhan brachte die prickelnde Ausgangslage auf den Punkt: "Das ist nicht nur ein Derby, sondern auch ein Spitzenspiel." Nur ein Zähler trennt den Tabellenzweiten aus Dortmund vom Dritten aus Gelsenkirchen. Gäste-Coach Jens Keller bezeichnete den BVB als Favoriten, sieht aber gute Chancen auf eine Revanche für die Hinspielniederlage: "Wenn man schon mal die Chance hat, auf Platz zwei zu klettern, sollte man sie auch nutzen."

Das königsblaue Selbstvertrauen kommt nicht von ungefähr. Immerhin rangiert Schalke in der Rückrundentabelle auf Platz zwei. Obwohl zwischenzeitlich zehn Verletzte fehlten, schlug sich die mit zahlreichen Jungprofis aufgefüllte Rasselbande von Jens Keller mit Ausnahme der Duelle gegen Real Madrid und Bayern München prächtig. Nicht zuletzt deshalb überwiegt bei Keller die Vorfreude: "Ich fahre mit einem guten Gefühl nach Dortmund."

Rechtzeitig zum Derby fanden auch die Borussen zurück zu alter Form. Beim 3:0 in Hannover trat das Team wesentlich stärker auf als bei den jüngsten 1:2-Niederlagen gegen Mönchengladbach und St. Petersburg. Für den BVB wird am Dienstag viel davon abhängen, ob die Heimschwäche überwunden werden kann. Nach sechs Niederlagen in den vergangenen zehn Spielen vor eigener Kulisse brennen die Profis auf Rehabilitierung. "Wir sind bis in die Haarspitzen motiviert", sagte Torjäger Robert Lewandowski.

Sorge, dass die eigenen Fans, wie zuletzt im tristen Champions-League-Duell mit St. Petersburg, auch gegen Schalke nicht bedingungslos hinter ihrer Mannschaft stehen, hat BVB-Allrounder Kevin Großkreutz nicht: "Das Stadion wird kochen."

Was beide Teams eint, ist das enorme Verletzungspech während der gesamten Saison. Nun wird sich weisen, wer das besser kompensiert. Bei den Schalkern kehrt voraussichtlich nur Kyriakos Papadopoulos in den Kader zurück. Beim BVB dürfte Marco Reus, der in Hannover zu einem Kurzeinsatz kam, erstmals seit Anfang Februar wieder in der Startelf stehen. Zudem plant Pierre-Emerick Aubameyang sein Comeback. Diverse Jungprofis bestreiten angesichts des Ausfalls von Stammkräften auf beiden Seiten ihr erstes Derby von Beginn an. "Mir kommt es schon den Rücken hoch, wenn ich nur daran denke", bekannte Dortmunds Außenverteidiger Erik Durm.