Berlin - Joachim Löw steht vor einem neuen Personal-Puzzle. Gleich eine ganze Reihe von Stars wird fehlen, wenn der Bundestrainer am Donnerstag sein Aufgebot für die EM-Qualifikationsspiele der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Polen und Irland bekanntgibt.

Neben den Weltmeistern Bastian Schweinsteiger (FC Bayern), Sami Khedira (Real Madrid) und Benedikt Höwedes (Schalke 04) sind auch der Dortmunder Marco Reus und Italien-Legionär Mario Gomez verletzt. Löw wird am 11. Oktober in Warschau und drei Tage später in Gelsenkirchen gegen Irland wie schon beim knappen 2:1-Startsieg in die EM-Ausscheidung gegen Schottland erneut auf einigen Positionen improvisieren müssen.

Der Weltmeister-Coach hofft zwar, "dass der eine oder andere Spieler in einer körperlich besseren Verfassung zu uns stößt" als zum Saisonstart im September. Zumal die Oktober-Spiele "bislang immer unsere besten waren", wie Löw unlängst ergänzt hatte. Allerdings plagen sich in Jérome Boateng (FC Bayern) und Christoph Kramer (Mönchengladbach) zwei weitere Weltmeister mit kleineren Verletzungen herum, ebenso der zuletzt für das Schottland-Spiel nachnominierte Schalker Sidney Sam. Der Dortmunder Mats Hummels, den Löw erstmals nach dem WM-Triumph von Rio de Janeiro wieder berufen dürfte, ringt nach längerer Pause noch um seine Form.

Zudem sind die Comeback-Pläne des DFB für den Münchner Holger Badstuber nach dessen Muskelsehnenriss erst einmal geplatzt. Bei BVB-Profi Ilkay Gündogan muss die Rückkehr auf den Platz und dann zu alter Leistungsstärke abgewartet werden. Löw plant erst im neuen Jahr wieder mit dem Mittelfeldspieler. "Die Monate bis zum Jahresende werden unglaublich schwer für uns", hatte der Bundestrainer vorausgesagt.

Bereits ausgeschlossen hatte Löw, dass er den Schalker Julian Draxler, den Dortmunder Matthias Ginter oder den Stuttgarter Antonio Rüdiger für die entscheidenden Playoffspiele der U21-Junioren gegen die Ukraine abstellt. Obwohl es dabei nicht nur um die Teilnahme an der EM-Endrunde 2015 geht, sondern auch um die Option der Olympia-Teilnahme in Rio 2016, hätten die Partien der A-Mannschaft gegen die ehrgeizigen Polen um Bayern-Torjäger Robert Lewandowski und gegen die unbequemen Iren "Vorrang", begründete der Freiburger.

Möglicherweise bedient sich Löw bei den derzeit formstarken Gladbachern. Max Kruse und André Hahn waren vor der WM schon von Löw eingeladen worden. Lars und Sven Bender, die im DFB-Team wegen Verletzungen auch lange nicht dabei waren, könnten ebenfalls zurückkehren. Den Leverkusener Karim Bellarabi hat der DFB-Chefcoach "schon seit längerer Zeit" auf dem Zettel. Er könnte ein interessanter Spieler für die Nationalmannschaft werden, meinte Löw. Allerdings wird der in Berlin geborene Bellarabi vom Heimatland seines marokkanischen Vaters umworben.

Löw wird sein Aufgebot, zu dem neben Manuel Neuer (München) und Roman Weidenfeller (Dortmund) womöglich ein neuer dritter Torwart gehören könnte, am kommenden Dienstag in Frankfurt (Main) versammeln. Erstmals wird sein neuer Assistent Thomas Schneider dabei sein. Der ehemalige Stuttgarter Bundesliga-Coach hat den zum DFB-Sportdirektor beförderten Hansi Flick als Co-Trainer abgelöst.