Köln - Schwimmen lernt doch jeder als Kind - oder? Leider nein: Etwa jeder vierte Erwachsene kann sich nicht oder nur schlecht über Wasser halten. Zum Glück ist es nie zu spät, um daran etwas zu ändern.

Bei einigen ist es Angst vor dem Wasser. Bei anderen Scham oder körperliche Leiden. Und wieder andere hatten einfach keine Gelegenheit, es zu lernen. Es gibt eine Reihe von Gründen, warum Erwachsene nicht schwimmen können. Und es sind keineswegs Einzelfälle: Etwa jeder vierte Erwachsene kann nach eigenen Angaben nicht oder nur schlecht schwimmen, wie Zahlen der
Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) zeigen. Auch in ihrem Alter ist es aber nicht zu spät, es noch zu lernen.


Das lohnt sich gleich doppelt. Erstens müssen Betroffene keine Angst vor dem Ertrinken mehr haben. Und zweitens müssen sie Freunden keine Absage mehr erteilen, wenn die einen Ausflug ins Freibad oder an den See machen wollen. "Es geht beim Schwimmen um viel mehr: Wer es nicht kann, nimmt sich selbst Möglichkeiten, an sozialen Ereignissen teilzuhaben und sich fit zu halten", sagt Andreas Bieder von der Deutschen Sporthochschule Köln.

Gerade für Erwachsene in der zweiten Lebenshälfte könne es sehr vernünftig sein, schwimmen zu lernen. Sei es, ganz von vorne zu beginnen oder seine Technik zu verbessern. "Ältere Menschen haben häufiger Probleme am Bewegungsapparat oder Gelenkverschleiß an Knien oder Hüften. Beim Schwimmen kann ich mich bei relativ geringer Gelenkbelastung bewegen, die Muskeln trainieren und Herz-Kreislauf-Training machen", sagt Bieder, der in Köln das Lehr- und Forschungsgebiet Schwimmen leitet.

Ganz zu schweigen von den praktischen Vorteilen im Alltag - sei es bei der Bootsfahrt mit Freunden oder der Geburtstagsfeier der Enkel im Schwimmbad. "Selbst wenn man es versucht, kann man es nicht immer vermeiden, in Situationen zu geraten, wo man sich möglicherweise über Wasser halten muss", sagt Harald Rehn, Sportwissenschaftler in der DLRG-Bundesgeschäftsstelle.

Erstlingskurse für Kinder tragen oft Namen wie "Wassergewöhnung". Genau darum geht es aber auch bei vielen Erwachsenen am Anfang: unter Wasser ausatmen, sich an den Druck im Gehörgang gewöhnen, die Augen offen halten. Eine Schwimmlehrerin berichtet auf einem Blog auf der Webseite der englischen Tageszeitung
"The Guardian", wie sie mit ängstlichen Nichtschwimmern umgeht: "Das Erste also, was ich mache, ist, die Menschen dazu zu bringen, sich flach auf das Wasser zu legen mit untergetauchtem Gesicht, um sie dann sanft zu ziehen, während ich ihre Hände halte."


Schwimmen soll gleichzeitig Training, aber auch Entspannung bringen, auch durch regelmäßiges Atmen. "Das gelingt nach einer Eingewöhnungsphase recht schnell", sagt Wolfgang Lehmann vom Deutschen Schwimmverband (DSV) in Kassel. Er betont: "Locker zu bleiben, ist enorm wichtig, um verschiedene Schwimmtechniken zu beherrschen. Das gibt einfach Sicherheit."

Auf der
Webseite des DSV können Interessierte nachschauen, ob es für sie in der Nähe einen Schwimmverein gibt, der einen Kurs anbietet. Manche Schwimmschulen bieten spezielle Kurse für Menschen mit Aquaphobie, also Angst vor Wasser.