Berlin - Crystal macht schnell abhängig, wirkt verheerend - und ist offenbar nicht mehr nur eine Randerscheinung. Das zeigt der neue Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung. Viel mehr Menschen gefährden sich allerdings durch Alkohol.

Die Bundesregierung ist besorgt über den gefährlichen Alkoholkonsum bei jungen Erwachsenen und die Ausbreitung der Droge Crystal Meth. Das machte die Drogenbeauftragte Marlene Mortler bei der Vorstellung des neuen Drogen- und Suchtberichts am Montag (7. Juli) deutlich.

So trinken 54 Prozent der jungen Männer und 36 Prozent der jungen Frauen riskant viel Alkohol. Es gebe Hinweise, dass sich die Droge Crystal im deutsch-tschechischen Grenzgebiet ausbreite und in einigen deutschen Großstädten verstärkt vorkomme. Der Konsum von Crystal Meth sei im Moment aber noch kein flächendeckendes bundesweites Problem.

Dass Rauschgifte aus dem Drogenlabor wie Crystal Meth und Ecstasy in Deutschland immer mehr Konsumenten finden, hatten Mortler und der Präsident des Bundeskriminalamts (BKA), Jörg Ziercke, bereits im April öffentlich gemacht. So wurden im vergangenen Jahr in Deutschland 77 Kilogramm Crystal Meth sichergestellt - so viel wie nie zuvor. Die Zahl der erstmals auffällig gewordenen Konsumenten der stark süchtig machenden Modedroge stieg um sieben Prozent auf 2746.

Konsumenten beschreiben, dass das Methamphetamin beim ersten Mal beeindruckend wirkt - aber schnell abhängig macht und zu erheblichen körperlichen und psychischen Schäden führt. Crystal stammt vorwiegend aus tschechischen Drogenküchen. Auch die Partydroge Ecstasy hat laut Ziercke nach jahrelangem Rückgang wieder Konjunktur. Das am häufigsten genommene illegale Rauschgift in Deutschland ist Cannabis.

Im Jahr 2013 starben 1002 Menschen an den direkten oder indirekten Folgen von Rauschgift - meist durch Heroin und andere Opiate.

Bereits im Januar war bekanntgeworden, dass die Zahl der Alkoholabhängigen in Deutschland gestiegen ist - auf rund 1,8 Millionen. 2006 sollen es noch 1,3 Millionen gewesen sein. Junge Erwachsene unter 25 sind verstärkt betroffen. Das zeigte eine Erhebung des Instituts für Therapieforschung in München. Weitere 1,6 Millionen Erwachsene trinken zu viel, gelten aber nach den offiziellen Kriterien nicht als abhängig.

Alarm schlugen die Autoren der Studie wegen Tabak: Insgesamt rund 5,6 Millionen Menschen seien hiervon abhängig. Damit sei Tabak der verbreitetste Suchtstoff. 319 000 Erwachsene sind laut der Studie abhängig von illegalen Drogen. Mindestens 2,3 Millionen Menschen sind süchtig nach Schmerz-, Schlaf- oder Beruhigungsmitteln.

Ein besonderes Augenmerk gilt unter Suchtexperten der Jugend. Fast jeder fünfte Jugendliche in Deutschland betrinkt sich mindestens einmal im Monat. Überproportional häufig greifen dabei junge Männer regelmäßig zu Bier, Schnaps und Wein. Das zeigen im April vorgestellte Zahlen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Mehr als 26 000 Mal wurden 2013 Jugendliche wegen einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus gebracht.