Nürnberg - Lieber üppiger Urlaub statt Tagesgeld-Konto - nach diesem Motto hatten viele Deutsche schon im Vorjahr gehandelt. Geht es nach Konsumforschern, wird sich dieser Trend 2014 noch verstärken. Erlebnis und Genuss sind in deutschen Haushalten angesagt.

Die Kauflust der Deutschen ist nicht zu bremsen - Konsumforscher rechnen daher für 2014 mit einer noch besseren Verbraucherstimmung als im Vorjahr. Nach Prognosen des Konsumforschungsinstituts GfK werden die Ausgaben der privaten Haushalte in diesem Jahr real um 1,5 Prozent steigen. Schon im Vorjahr hatte der Zuwachs bei 0,9 Prozent gelegen. Deutsche Verbraucher dürften damit in diesem Jahr einen noch größeren Beitrag zum deutschen Wirtschaftswachstum leisten als 2013.

Nachdem inzwischen viele Haushalte zwei bis drei Flachbildschirme hätten, rechnet GfK-Chef Matthias Hartmann im kommenden Jahr mit verstärkten Ausgaben der Bundesbürger für "Erlebnis und Genuss". Vor allem die Tourismusbranche werde von diesem Trend profitieren, schätzt er. Es zeichne sich ab, dass sich Verbraucher nicht nur mehr, sondern auch teurere Urlaubsreisen leisten werden. Denn bei Anschaffungen für Haushalt und Wohnung sei inzwischen ein gewisser Sättigungsgrad erreicht, ergänzte GfK-Handelsexperte Wolfgang Adlwarth.

Daneben werde der Kauf von Häusern und Eigentumswohnungen auch in diesem Jahr wieder eine große Rolle spielen. Darauf deute der Anstieg der Baufertigstellungen um 16 Prozent im Vorjahr hin. Auch leisteten sich immer mehr Verbraucher aufwendige Wohnungsrenovierungen. Die "Sehnsucht nach dem kleinen Glück" zeige auch der immer häufigere Griff der Verbraucher nach hochwertigeren Lebensmitteln, erläuterte Adlwarth.

Von diesem Trend werde vor allem der Lebensmittelhandel profitieren. Für dieses Handelssegment prognostiziert die Gfk für 2014 ein Umsatzwachstum von 2,3 Prozent. Dagegen müssten sich Textilgeschäfte sowie Anbieter von Elektro- und Heimwerkerartikeln mit relativ geringen Umsatzzuwächsen zufriedengeben. Die GfK rechnet im sogenannten Non-Food-Handel lediglich mit einem Umsatzplus von 0,6 Prozent.

Gespeist wird die gute Verbraucherstimmung vom wachsenden Konjunkturoptimismus in vielen deutschen Haushalten. "Aus Sicht der deutschen Verbraucher sind die Folgen der Finanzkrise zumindest hierzulande überwunden", ist GfK-Vorstandschef Matthias Hartmann überzeugt. Viele Haushalte rechneten mit einer weiteren Aufhellung der Konjunktur in den kommenden Monaten.

Zugleich stellten die niedrigen Sparzinsen derzeit keinen besondern Anreiz dar, überschüssiges Einkommen auf die hohe Kante zu legen. "Als Folge ist die Sparneigung auf einem historischen Tiefstand", erklärte Hartmann.

Auch in anderen Teilen Europas dürfte sich nach GfK-Prognosen die Konsumstimmung aufhellen. Bei einem von der EU-Kommission erwarteten Wirtschaftswachstum von 1,4 Prozent werde sich auch die Konsumneigung in vielen EU-Staaten verbessern. Beim privaten Verbrauch erwarten die Nürnberger Konsumforscher EU-weit eine Zunahme von 0,5 bis 1,0 Prozent. Mehr sei derzeit wegen der immer noch unsicheren Arbeitsmarktlage in einigen Krisenländern nicht drin. "Bis sich das Wirtschaftswachstum in einer Erholung des Arbeitsmarktes niederschlägt, wird es noch bis mindestens 2015 dauern", schätzt GfK-Chef Hartmann.