Düsseldorf - Billig ist gut - diesem Motto folgen viele Verbraucher. Bei Krediten funktioniert das aber nicht. Hier ist der billigste Anbieter nicht immer der beste. Vergleichsportale im Internet können Interessenten daher auf die falsche Fährte führen.

Ob Versicherung, Stromanbieter oder Kreditgeber - die Zahl der Anbieter ist oft groß. Vor allem bei der Suche im Internet verlieren Kunden da schnell den Überblick. Es gibt zwar Vergleichsportale wie
Check24 oder
Verivox. Doch Vorsicht: Bei Krediten kommt es nicht nur auf niedrige Zinsen an.


Die meisten Vergleichsportale arbeiten nach demselben Prinzip: Der billigste Anbieter gewinnt. Wer zum Beispiel bei Verivox einen Kredit über 5000 Euro für eine Laufzeit von 36 Monaten sucht, sieht ganz oben in der Liste die günstigsten Angebote, die bei einem Zinssatz von 2,8 Prozent beginnen. Unten stehen die Anbieter, deren Zinssätze bei bis zu 7,0 Prozent liegen. Auch bei Wettbewerbern wie Check24 oder
Toptarif sieht das Ergebnis bei dieser Abfrage ähnlich aus.


Doch ein solcher Vergleich kann irreführend sein. "Die Höhe der Kreditzinsen hängt in der Regel von der Bonität des Kunden ab", erklärt Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Das heißt: Bewertet ein Geldinstitut die Zahlungsfähigkeit eines Kunden schlechter, muss dieser unter Umständen mehr Zinsen zahlen, als der Vergleich über das Portal vermuten ließ.

"Der Zinssatz ist immer auf den Kunden ausgerichtet", sagt Christian Polenz von Easycredit, dem Kreditspezialisten der Volksbanken Raiffeisenbanken. Sein Institut gehört mit Zinssätzen von etwa 7,0 Prozent zu den eher teuren Anbietern im Beispiel. "Es kommt bei Krediten eben auch auf die Leistungen an", sagt er.

Aus Sicht von Oelmann sind neben der Höhe des Zinssatzes die Seriosität des Anbieters, die Laufzeit und die Flexibilität zum Beispiel bei den Raten wichtig. "Wer einen Vergleich startet, muss bedenken, dass immer alle Möglichkeiten optimal eingestellt sind", sagt die Finanzexpertin. "Ob ich den Kredit zu diesen Konditionen bekomme, kann ich gar nicht erkennen." Außerdem finden sich oft auch Werbeangebote in den Ergebnissen. "Wer oben steht, ist daher nicht immer der Beste."

Die Postbank, deren Geschäft mit etwa einer Million Kundenkontakten pro Tag vor allem über die Filiale läuft, nutzt die Vergleichsportale ebenfalls. "Die Portale ziehen allerdings in der Regel nur wenige Kriterien zurate, damit viele Anbieter mit den unterschiedlichsten Angeboten verglichen werden können", erklärt Postbank-Sprecher Ralf Palm. "Kunden können sich so immer nur einen gewissen Marktüberblick verschaffen", sagt auch Thomas Bieler von der ING-Diba.

Dennoch kann die Abfrage im Netz für Kunden von Nutzen sein: "Sie können die Ergebnisse, die Sie über die Vergleichsportale erzielen, für Verhandlungen mit Ihrer Hausbank nutzen", erklärt Oelmann. Denn einen gewissen Spielraum bei der Höhe der Zinsen gebe es in der Regel. Sie rät, sich möglichst umfassend zu informieren. Dazu gehöre auch die Filiale. "Für manche Kunden ist das ja auch ein wichtiges Kriterium, weil sie einen persönlichen Ansprechpartner wollen."