Frankfurt/Main - Die gegenwärtigen Mini-Zinsen lassen den Kauf einer Immobilie attraktiv erscheinen. Doch für viele Kleinanleger bleibt der Ertrag gering: Bei jedem zweiten Investment liegt die Rendite noch nicht einmal oberhalb der Inflation.

Investitionen in Immobilien lohnen sich für Privatanleger in Deutschland einer Studie zufolge oft nicht. Nach einer am Mittwoch (17. September) in Frankfurt veröffentlichten Analyse des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) im Auftrag der Wertgrund Immobilien AG erwirtschaften 8,5 Prozent der Immobilienanlagen negative Bruttorenditen, weitere 24,6 Prozent erzielen eine Rendite von null Prozent. Ein Fünftel der Investitionen (20,7 Prozent) in Immobilien wirft Bruttorenditen von null bis zwei Prozent ab. Die Studie bezieht sich auf Daten aus dem Jahr 2012.

"Geht man von einer durchschnittlichen Inflation von jährlich zwei Prozent aus, liegen die Renditen von mehr als 50 Prozent der Immobilieninvestitionen unterhalb der Inflationsgrenze", sagte der Wertgrund-Vorstandsvorsitzende Thomas Meyer: "Unter Berücksichtigung von Risiko und Aufwand einer direkten Immobilieninvestition ist diese Rendite alles andere als zufriedenstellend." Allerdings hätten Immobilienanlagen insgesamt auch während der Finanzkrise stabile Durchschnittsrenditen von jährlich zwei bis drei Prozent erzielt.

Ein Großteil der niedrigen und negativen Renditen sei auf vermietete Eigentumswohnungen zurückzuführen. Unter anderem könnten Instandhaltungsmaßnahmen, Kosten bei Mieterwechsel und längere Leerstandszeiten die Erträge einer Eigentumswohnung nachhaltig gefährden. Den Angaben nach besitzen etwa sieben Millionen Deutsche eine Immobilie als Kapitalanlage. In den letzten zehn Jahren erzielten sie damit durchschnittlich zwischen zwei und drei Prozent Rendite pro Jahr.

Wer eine Wohnung kauft, sollte nüchtern kalkulieren, heißt es im Immobilienspezial 2014 der Zeitschrift "Finanztest". Viele Käufer unterschätzten Risiken wie ausfallende Mieten oder unerwartete Renovierungen. Deshalb brauchen Anleger Reserven und genügend Eigenkapital. Mindestens 20 Prozent des Kaufpreises und alle Nebenkosten sollten sie aus eigenen Mitteln finanzieren können.

Vor dem Kauf stellen Anleger am besten einen Investitionsplan auf. Er muss die voraussichtlichen Ausgaben für die nächsten 15 bis 20 Jahre und die
Renditeprognose enthalten. Doch auch hier ist Vorsicht geboten: Die berechneten Werte beruhen auf unsicheren Annahmen über die Entwicklung von Mieten, Immobilienpreisen und Hypothekenzinsen. Wohnungskäufer sollten deshalb verschiedene Szenarien durchspielen, um Chancen und Risiken richtig abzuschätzen.